Abgasskandal
Zusammenfassung:
  • VW und Daimler haben bei den Motoren EA 189, EA 288, EA 897, EA 896, OM 651, OM 642, OM 607, OM 626 und OM 622 illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt.
  • Im Zuge des Abgasskandals wurden für viele damit ausgestattete Autos Rückrufe angeordnet.
  • Die Besitzer von Fahrzeugen, die vom Dieselskandal betroffen sind, haben i.d.R. Anspruch auf Schadensersatz oder Rückabwicklung.

Skandal-Motoren: EA189, EA288, EA897, EA896, OM651, OM642, OM607, OM626 und OM622

Abgasskandal
  • Robert Metz
Zusammenfassung:
  • VW und Daimler haben bei den Motoren EA 189, EA 288, EA 897, EA 896, OM 651, OM 642, OM 607, OM 626 und OM 622 illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt.
  • Im Zuge des Abgasskandals wurden für viele damit ausgestattete Autos Rückrufe angeordnet.
  • Die Besitzer von Fahrzeugen, die vom Dieselskandal betroffen sind, haben i.d.R. Anspruch auf Schadensersatz oder Rückabwicklung.

Während Kürzel wie Motoren EA 189, EA 288, EA 897, EA 896, OM 651, OM 642, OM 626 und OM 622 v.a. intern gebraucht werden, sprechen Hersteller gegenüber Kunden eher von „TDI“ oder „CDI“, die aber unabhängig von der Motorgeneration verwendet werden.

Seit 2015 wurde für immer mehr Motortypen bekannt, dass die Hersteller bei den Abgastests betrogen haben. Während bei BMW und Opel bisher nur wenige Varianten betroffen sind, waren bei VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche und Mercedes ganze Motor-Generationen mit manipulierter Motorsoftware ausgestattet. Betroffen sind insbesondere die Motortypen EA 189, EA 288, EA 897, EA 896, OM 651, OM 642, OM 607, OM 626 und OM 622.

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EA 189: Die Mutter des Dieselbetrugs bei VW

Als EA189 wird eine Reihe von TDI-Motoren bezeichnet, die bei den Marken von Volkswagen von 2008 bis 2015 eingesetzt wurden. Die Motoren mit 3 oder 4 Zylindern haben einen Hubraum von 1,2l, 1,6l oder 2,0l. Die Motorleistung liegt bei 75 PS, 90 PS, 105 PS, 110 PS, 140 PS, 142 PS, 170 PS oder 177 PS.

Neben VW wurden die Dieselmotoren aus der Reihe EA 189 auch bei Audi, Seat und Škoda in vielen Modellen eingesetzt.

Der Dieselskandal bei VW kam ins Rollen, als die Amerikanische EPA VW erhöhte Stickoxidwerte beim Modellen mit dem Motor EA 189 nachweisen konnte. Die Motoren waren mit einer „Prüfstandserkennung“ ausgestattet, die die Abgasreinigung wie vorgeschrieben laufen ließ. Im normalen Straßenbetrieb wurde die Abgasreinigung dagegen weitgehend heruntergefahren („Abschalteinrichtung“), insbesondere um Harnstofflösung („AdBlue“) einzusparen.

EA 288: VW-Abgasskandal um Thermofenster

Der EA288 ist der direkte Nachfolger des EA189 und damit ebenfalls ein Dieselmotor. Auch den EA 288 gibt es mit 3 oder 4 Zylindern. Mit einem Hubraum von 1,4l, 1,6l oder 2,0l leistet der EA 288 55 PS bis 176 PS. Wie sein Vorgänger wurde der EA 288 in vielen Modellen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda eingesetzt.

Im Gegensatz zum EA 189 hat der Volkswagen-Konzern beim EA 288 nicht auf eine Prüfstandserkennung gesetzt, sondern auf sogenannte Thermofenster. Grundsätzlich ist es zulässig, bei bestimmten Temperaturen die Abgasreinigung zu reduzieren bzw. abzuschalten, um den Motor vor Schaden zu schützen. Die Thermofenster beim EA288 sind jedoch unnötig weit definiert, sodass die Abgasreinigung bereits bei Temperaturen abgeschaltet wird, die in Deutschland regelmäßig vorkommen.

EA 897 und EA 896: VW-Skandal mit großem Hubraum

Der EA897 wurde von Audi für den VW-Konzern entwickelt. Der Dieselmotor wird seit 2010 insbesondere in den großen Automodellen von Audi, Porsche und VW eingesetzt. Die in Győr produzierten EA897-Motoren haben 6 Zylinder mit einem Hubraum von 3,0l. Sie leisten 140–250 kW.

Auch bei vielen Varianten des Motors EA897 wurde eine Abschalteinrichtung („defeat device“) gefunden, wodurch der VW-Konzern zu Rückrufen gezwungen wurde, bei denen ein Update der Motorsteuerung gemacht werden muss.

Soweit uns bekannt ist, sind im VW-Konzern auch weitere „große“ Motoren mit 3,0l und 4,2l Hubraum aus dem VW-Konzern vom Dieselskandal betroffen, u.a. auch der EA896 sowie verschiedene V6 TDI und V8 TDI.

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OM 651: Dieselskandal bei Daimler

Der OM651 ist ein Dieselmotor der Daimler AG, der in verschiedenen Modellen der Marke Mercedes-Benz eingebaut wird. Die vier Zylinder sind in Reihe angeordnet und haben einen Hubraum von 1,8l oder 2,1l.

Seit Mai 2017 gab es Untersuchungen der Staatsanwaltschaft zur Verwicklung des Motors OM 651 in den Dieselskandal. Seitdem hat das KBA mehrere Rückrufe für verschiedene Daimler-Modelle verfügt, die mit dem OM651 ausgestattet sind.

OM 642: Abgasskandal bei Mercedes

Beim OM642 handelt es sich ebenfalls um einen Dieselmotor der Daimler AG. Der V6-Motor hat einen Hubraum von 3,0l. Auch der OM 642 wird in verschiedenen PKW-, SUV- und Transporter-Modellen der Marke Mercedes-Benz eingebaut.

Auch für mehrere Fahrzeuge mit OM 642-Motor gab es neben „freiwilligen Servicemaßnahmen“ inzwischen auch offizielle Rückrufe wegen illegaler Abschalteinrichtungen.

OM 626 und OM 622: Kooperation mit Renault

Die Motoren OM626 und OM 622 hat Daimler zusammen mit Renault entwickelt. Von der Renault-Variante unterscheiden sie sich u.a. bei der Motorsteuerung und der Abgasnachbehandlung. Die Vierzylinder-Reihenmotoren erzielen aus 1,6l Hubraum 88 PS, 114 PS, 115 PS oder 136 PS.

Für verschiedene zwischen 2014 und 2018 produzierte Fahrzeugmodelle mit OM 626 oder OM 622 gibt es offizielle Rückrufe zur Entfernung einer illegalen Abschaltvorrichtung.

OM 607: Weiterer Verdachtsfall

Auch der Diesel-Motor OM607 wurde in einer Kooperation zwischen Daimler und Renault entwickelt. Der 4-Zylinder Reihenmotor hat einen Hubraum von 1,5l und leistet 75 PS, 90 PS, 109 PS oder 110 PS.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte bereits 2016 berichtet, dass Fahrzeuge mti dem Aggregat OM 607 zu viel Stickoxid ausstoßen. Eine Mercedes B-Klasse hatte die zulässigen Höchstwerte um das 13-fache überschritten. Das ICCT konnte zeigen, dass beim OM 607 die Abgasreinigung nur über einer Außentemperatur von 17°C richtig funktioniert. Temperaturen unter 17°C sind aber in Mitteleuropa keine Ausnahme, sondern normal. Seit Ende November 2019 gibt es Anzeichen dafür, dass auch für Modelle mit OM 607-Motor Rückrufe kurz bevorstehen.

Optionen für vom Abgasskandal betroffene Kunden

Egal ob Prüfstandserkennung oder Thermofenster: Wer ein Fahrzeug mit einer illegalen Abschalteinrichtung gekauft hat, kann sich dagegen wehren:

  • Innerhalb von 2 Jahren nach dem Kauf (1 Jahr bei Gebrauchtwagen) kann man gegenüber dem Händler einen Sachmangel geltend machen.
  • Innerhalb von 3 Jahren (zum Jahresende) nach Bekanntwerden des Anspruchs kann man vom Hersteller Schadensersatz oder Rückabwicklung wegen unerlaubter Handlung verlangen. Diese Möglichkeit endet aber 10 Jahre nach dem Kauf.
  • Bei finanzierten Fahrzeugen ist oft auch nach Jahren noch ein Autokredit-Widerruf möglich.

Finden Sie kostenlos und unverbindlich raus, wie viel Ihnen zusteht

Ob Ihr Fahrzeug betroffen ist und wie viel Sie fordern können, erfahren Sie kostenlos und unverbindlich auf unserer Seite zum Dieselskandal. Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel zu Optionen im Dieselskandal. Diese Ansprüche gelten insbesondere (aber nicht nur) für die hier vorgestellten Motoren.

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