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Diesel von VW, Audi, Mercedes: BGH-Urteile im Abgasskandal

Diesel von VW, Audi, Mercedes: BGH-Urteile im Abgasskandal

BGH-Urteil im Abgasskandal: Betroffene VW-Kunden können ihren Diesel zurückgeben. 14.06.2021

Zusammenfassung:

Diesel-Besitzer, die vom VW-Abgasskandal betroffen sind, können ihren Wagen zurückgeben. Das hat der BGH in einem Urteil entschieden.

Vom Kaufpreis wird eine Nutzungsentschädigung entsprechend der gefahrenen Kilometer abgezogen.

Inzwischen sind in Diesel-Prozessen gegen VW, Audi und Mercedes mehrere BGH-Urteile im Abgasskandal gefallen:

Auf einer anderen Seite fassen wir weitere Urteile im Abgasskandal zusammen, u.a. von Oberlandesgerichten und vom EuGH. Außerdem gibt es inzwischen auch BGH-Urteile zum Autokredit-Widerruf.

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Erstes BGH-Urteil zu VW: Grundsätzlich Schadensersatz

Mit dem ersten BGH-Urteil im Dieselskandal bekommen betroffene VW-Kunden endlich Rechtssicherheit: Die Verwendung einer illegalen Abschalteinrichtung stellt eine sittenwidrige Schädigung dar. Daher haben die Diesel-Kunden das Recht, ihr Auto zurückzugeben.

Hintergrund zum BGH-Urteil im Dieselskandal

Das BGH-Urteil vom 25.5.2020 (Aktenzeichen VI ZR 252/19) bezieht sich auf einen VW Sharan mit EA 189-Motor. Diesen hatte der Kunde 2014 als Gebrauchtwagen für 31.500 € gekauft. Nach dem Auffliegen des VW-Abgasskandals klagte er auf Rückgabe des Fahrzeugs. Das BGH-Urteil bestätigte ein Urteil des OLG Koblenz, das dem Kunden die Rückgabe des Mogel-Diesels gegen Erstattung des Kaufpreises erlaubte. Davon wird allerdings eine Nutzungsentschädigung abgezogen. Insgesamt erhält der betroffene VW-Kunde voraussichtlich über 25.000 €. Das Auto hat damit in 6 Jahren gerade einmal ein Sechstel seines Wertes verloren.

Volkswagen hat bereits auf das BGH-Urteil reagiert. Der Konzern will vielen Klägern jetzt eine pauschale Einmal-Zahlung anbieten.

Bedeutung des BGH-Urteils: Ihre Ansprüche

Das erste BGH-Urteil im Abgasskandal lässt sich streng genommen nur auf andere betroffene VW-Modelle mit EA 189-Motor oder ähnlichen Abschalteinrichtungen übertragen. Zusammen mit dem EuGH-Urteil zu Thermofenstern, das ebenfalls sehr verbraucherfreundlich ausgefallen ist, bedeutet die BGH-Entscheidung aber, dass sehr viele Diesel-Besitzer einen Anspruch auf eine Rückabwicklung haben. Der EuGH hat nämlich auch sogenannte „Thermofenster“ für illegal erklärt. Diese werden von den meisten Autoherstellern eingesetzt, nach unseren Informationen neben VW u.a. auch von Mercedes, Mitsubishi und Volvo. In der Regel führen solche Thermofenster dazu, dass die Abgasreinigung schon bei Temperaturen unter (beispielsweise) 17°C nicht mehr richtig funktioniert.

Für die Besitzer der meisten Diesel-Fahrzeuge bedeutet das: Sie können ihre Autos zurückgeben und müssen sich lediglich eine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen. Diese hängt von den gefahrenen Kilometern und der erwarteten „Lebensdauer“ des Fahrzeugs ab. Meist liegt die Nutzungsentschädigung dabei deutlich unter dem Wertverlust. Wie viel Geld Ihnen zusteht, haben wir in einer Schadensersatz-Tabelle zusammengefasst. Außerdem können Sie bei uns kostenlos und unverbindlich Ihre Entschädigung berechnen:

Eine weitere Erkenntnis aus dem BGH-Urteil: Es macht keinen Unterschied, ob man das Software-Update verweigert oder es aufspielen lässt. Die BGH-Richter gehen davon aus, dass man das Auto von vorneherein nicht gekauft hätte, wenn man von den Manipulationen gewusst hätte.

Übrigens: In manchen OLG-Urteilen werden den vom Abgasskandal betroffenen Kunden zusätzlich Zinsen zugesprochen. Darüber hat der BGH allerdings nicht entschieden.

BGH-Beschluss zu Thermofenstern

Der BGH hat sich noch nicht in einem Urteil zu Thermofenstern geäußert, aber in zwei Beschlüssen. Die Autohersteller gehen bisher davon aus, dass die Abgasreinigung nur zwischen ca. 20°C und 30°C funktionieren muss, da das die Testbedingungen für die Typzulassung sind. Verbraucherrechtsanwälte, Umweltschützer und mehrere Oberlandesgerichte sind da anderer Meinung.

Mit seinem Beschluss vom 19.01.2021 (Az. VI ZR 433/19) hob der BGH ein Urteil des OLG Köln auf, das einem Mercedes-Kunden Schadensersatz verweigert hatte. In seinem Beschluss äußerte sich der BGH nicht abschließend, ob der Einsatz von Thermofenstern illegal ist. Außerdem ging der BGH davon aus, dass selbst der Einsatz von unzulässigen Thermofenstern alleine noch keine sittenwidrige Schädigung darstellt. Voraussetzung für einen Anspruch auf Rückabwicklung ist vielmehr, dass sich die verantwortlichen Mitarbeiter bei Daimler bewusst waren, dass sie etwas Illegales tun. Ein Indiz dafür kann beispielsweise sein, dass sie die Zulassungsbehörden bewusst über die Funktion und das Vorhandensein von Thermofenstern getäuscht haben. Wir gehen außerdem davon aus, dass der Einsatz weiterer Abschalteinrichtungen wie der „Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung“ durch Mercedes ein weiteres Indiz sein kann. Ob den Daimler-Mitarbeitern bewusst war, dass sie etwas illegales tun, muss jetzt das OLG klären, an das der Fall zurückverwiesen wurde.

In einem weiteren Beschluss vom 9.3.2021 (Az VI ZR 889/20) ging es um das Software-Update bei EA 189-Motoren von VW. Hier wies der BGH die Klage des Kunden direkt ab. Offenbar war in den Vorinstanzen nicht bewiesen worden, dass Volkswagen bewusst war, das die neu programmierten Abschalteinrichtungen illegal waren. (Möglicherweise wurde es auch gar nicht versucht.) Bei zukünftigen Klagen muss dieser Beweis daher geführt werden.

Eine für Ende Oktober 2020 geplante Verhandlung vor dem BGH ist kurzfristig geplatzt, genauso ein Termin am 14.12.2020. In einem weiteren Verfahren wurde aber für den 9.3.2021 ein neuer Termin angesetzt.

BGH-Urteil zu Schadensersatz trotz Software-Update

Laut einem BGH-Urteil vom 30.7.2020 (Az. VI ZR 367/19) ist es für den Anspruch auf Rückabwicklung unerheblich, ob der Käufer bereits dem Rückruf gefolgt ist. Damit können die betrogenen Kunden ihre vom Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge auch zurückgeben, wenn das Software-Update bereits installiert wurde.

Der BGH argumentiert, dass die Kunden von vorneherein kein Auto mit Betrugssoftware kaufen wollten und somit den Wagen zurückgeben können. Eine nachträgliche Änderung und somit (angebliche) Werterhöhung ändert daran nichts.

BGH-Urteil zu EA 189-Kauf nach Herbst 2015

In zwei BGH-Urteilen vom 30.7.2020 (Az. VI ZR 5/20) und vom 08.12.2020, (Az. VI ZR 244/20) stellten die Richter fest, dass nur VW-Kunden, die vor Bekanntwerden des Abgasskandals einen Diesel mit EA 189-Motor gekauft haben, Anspruch auf Entschädigung haben. Ab Herbst 2015 kann davon ausgegangen werden, dass Volkswagen seine Kunden (bzw. die Allgemeinheit) ausreichend über die Betrugssoftware informiert hatte. Dadurch liegt keine sittenwidrige Schädigung mehr vor. Dasselbe gilt natürlich auch für die ebenfalls betroffenen Konzerntöchter Audi, Seat und Skoda.

Das BGH-Urteil gilt jedoch nur mit Einschränkung. Es bezieht sich lediglich auf den Motor EA 189, für den VW bereits einen Betrug einräumen musste. Bei anderen Modellen wie dem EA 288 leugnet Volkswagen weiterhin, dass die dort verwendeten Thermofenster illegal sind. Außerdem bezieht sich das Urteil auch nicht auf andere Hersteller wie Mercedes oder Fiat.

BGH-Urteil zu Deliktzinsen im Abgasskandal

In einem weiteren BGH-Urteil vom 30.7.2020 (Az. VI ZR 354/19, VI ZR 397/19) stellten die Richter fest, dass den Geschädigten im Abgasskandal keine Deliktzinsen zustehen. Diese fallen normalerweise an, wenn dem Geschädigten längere Zeit etwas vorenthalten wird. Wird beispielsweise bei einem Einbruch Geld gestohlen, der Täter aber später geschnappt und das Geld zurückgegeben, muss der Dieb den Betrag verzinsen. Im VW-Abgasskandal sehen die BGH-Richter einen solchen Anspruch nicht, weil der Kunde ja die ganze Zeit ein fahrbereites Auto hatte.

BGH-Urteil zu pauschaler Entschädigung

Auch für Vielfahrer fiel am 30.7.2020 im VW-Abgasskandal ein negatives BGH-Urteil (Az. VI ZR 354/19). Nach Ansicht der Richter muss bei einer Rückabwicklung vom Kaufpreis eine Nutzungsentschädigung abgezogen werden. Wie bereits im ersten BGH-Urteil festgestellt hängt diese Nutzungsentschädigung von den gefahrenen Kilometern ab. Der BGH stellte dazu jetzt klar: Für Fahrzeuge mit hohem Tachostand (über ca. 250.000 bis 300.000 km) lohnt sich daher eine Rückgabe nicht.

Über einen Anspruch auf pauschalen Schadensersatz haben die BGH-Richter dagegen nicht entschieden. Den hatte der Kläger schlicht nicht verlangt. Die Anwälte, die mit Rechtecheck kooperieren, gehen daher weiter davon aus, dass man ca. 15% des Kaufpreises als Schadensersatz bekommen kann.

Außerdem wird das BGH-Urteil zu Nutzungsentschädigung im Abgasskandal vor dem Bundesverfassungsgericht angefochten. Die Kläger gehen davon aus, dass der BGH vor einem Urteil den EuGH hätte anrufen müssen. Sie gehen davon aus, dass hier Europarecht betroffen ist. So wird in anderen Fällen noch ein EuGH-Urteil in Bezug auf Nutzungsentschädigungen erwartet.

BGH-Urteil zur Verjährung im Abgasskandal

Am 17.12.2020 ist auch ein BGH-Urteil zur Verjährung im Abgasskandal gefallen (Az. VI ZR 739/20). Konkret geht es um den Motor EA 189, bei dem schon seit 2015 bekannt ist, dass er vom Abgasskandal betroffen ist. Nach Ansicht des BGH begann die Verjährungsfrist von 3 Jahren zum Jahresende bereits mit der Veröffentlichung einer Ad-Hoc-Mitteilung im Herbst 2015. Dabei räumte der VW-Konzern ein, dass er beim EA 189 eine illegale Abschalteinrichtung eingesetzt hat. Die Ansprüche aus diesem ursprünglichen Dieselskandal wären damit bereits Ende 2018 verjährt.

Dabei ist zu beachten, dass die Ansprüche bei anderen Herstellern und auch bei anderen Motoren aus dem VW-Konzern von dem BGH-Urteil nicht betroffen sind, da hier der Betrug noch nicht so lange bekannt ist. Außerdem verdichten sich nach dem EuGH-Urteil zu Thermofenstern die Hinweise, dass auch nach dem Software-Update die VW-Diesel weiterhin eine unzulässige Abschalteinrichtung einsetzen.

BGH-Urteile zu Befangenheit von Richtern

In vier BGH-Urteilen wurde auch festgelegt, wann ein Richter im Abgasskandal befangen ist. Die obersten deutschen Zivilrichter entschieden, dass eine Richterin in einem Abgasskandal-Prozess befangen ist, wenn sie sich selbst dem VW-Musterfeststellungsverfahren angeschlossen hat (Beschluss vom 10.12.2019, Az. II ZB 14/19). Das gilt selbst dann, wenn sich die Musterfeststellungsklage bereits erledigt hat (Beschluss vom 17.2.2021, Az. III ZB 57/20). Auch eine eigene Klage gegen VW reicht für den Anschein von Befangenheit aus (Beschluss vom 25.2.21, Az. III ZR 205/20).

Außerdem reicht es für eine Befangenheit bereits, wenn sich ein Richter an einen Anwalt wendet, um seine Erfolgschancen zu klären (Beschluss vom 28.07.2020, Az. VI ZB 94/19). In dem BGH-Prozess ging es um einen OLG-Richter, der selbst einen betroffenen Mercedes besaß. Er hatte zu Beginn eines Abgasskandal-Prozesses offengelegt, dass er sich selbst schon bei einem ADAC-Anwalt über seine rechtlichen Möglichkeiten informiert hatte.

BGH-Urteil zum Audi-Abgasskandal

Am 8.3.2021 ist im Verfahren mit dem Aktenzeichen VI ZR 505/19 ein BGH-Urteil gefallen. Nach dem Urteil dürften manche Verfahren im Abgasskandal aufwändiger werden. Außerdem sollten die Anwälte künftig genauer abwägen, welches Unternehmen verklagt wird.

In dem vor dem BGH verhandelten Fall ging es um einen Audi, in dem ein von VW zugelieferter EA 189-Motor verbaut ist. Dabei handelt es sich um den ursprünglichen „Skandalmotor“ mit 1,6 bis 2,0 l Hubraum. Nach dem BGH-Urteil kann der Kläger nicht ohne weiteres davon ausgehen, dass Audi selbst bei den kleinen Motoren eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung begangen hat. Das würde nämlich voraussetzen, dass Audi von den illegalen Abgasmanipulationen gewusst und sie billigend in Kauf genommen hat. Der Fall wurde zur Klärung dieser Frage an das Oberlandesgericht zurückverwiesen. Allerdings ist eher unwahrscheinlich, dass Audi von den Manipulationen nichts gewusst hat. Immerhin waren die von Audi selbst entwickelten großen Motoren ebenfalls in den Abgasskandal verwickelt. In diesen Fällen ist Audi auf jeden Fall für illegale Abschalteinrichtungen verantwortlich. Die Kanzlei, die mit Rechtecheck kooperiert, hat beim EA 189-Motor von Anfang an den Motorenhersteller VW verklagt, auch wenn das Fahrzeug von Audi, Seat oder Skoda stammte.

Das BGH-Urteil dürfte auch auf andere Autohersteller Auswirkungen haben. Immerhin ist es gerade bei größeren Konzernen üblich, Motoren zwischen den einzelnen Marken auszutauschen. Bei Wohnmobilen wird teilweise das Basis-Fahrzeug (z.B. Iveco Daily) von einem Hersteller mit dem Motor eines anderen Herstellers (z.B. Fiat) produziert und dann von einem dritten (meist konzernfremden) Unternehmen zum Wohnmobil ausgebaut. Ein Anwalt sollte sich daher sehr intensiv mit dem Abgasskandal beschäftigt haben, damit er das richtige Unternehmen verklagen kann.

BGH-Urteil zu Finanzierungskosten im Abgasskandal

In einem weiteren Fall ging es um Finanzierungskosten im Abgasskandal. Der gebraucht von einem Autohaus gekaufte Golf der Klägerin war klar vom Abgasskandal betroffen. Daher war unstreitig, dass sie einen Anspruch auf Rückabwicklung des Kaufs hat. Im BGH-Urteil vom 13.4.2021 (Az. VI ZR 274/20) stellten die Karlsruher Richter nun fest: Die betrogenen Kunden haben auch ein Recht auf Erstattung der Finanzierungskosten für ihr Fahrzeug. Im konkreten Fall erhöhte sich die Erstattung um 3.275,55 €, die für Darlehenszinsen und eine Kreditausfallversicherung (Restschuldversicherung) angefallen waren.

FAQ zum BGH-Urteil gegen VW

Wie sieht der Schadensersatz laut BGH-Urteil aus?
In dem verhandelten Fall gab es keine Entschädigung, sondern eine Rückabwicklung. Der Kunde gibt also sein Auto ab und bekommt den Kaufpreis erstattet.

Bekomme ich den vollen Kaufpreis erstattet?
Das BGH-Urteil hat sich der Meinung vieler OLG angeschlossen und zieht vom Kaufpreis eine Nutzungsentschädigung für gefahrene Kilometer ab. Wie viel das in Ihrem Fall ist, können Sie mit unserem Entschädigungs-Rechner bestimmen.

Gilt das BGH-Urteil für alle Diesel?
Streng genommen gilt es nur für VW-Modelle mit EA189-Motor. Zusammen mit dem EuGH-Urteil können aber die meisten Diesel-Fahrer eine Rückabwicklung verlangen.

Muss VW Zinsen zahlen?
Laut BGH-Urteil fallen keine Strafzinsen an. Der Hersteller muss erst ab Klageeinreichung Zinsen zahlen.

Bekommen auch Vielfahrer Schadensersatz?
Da bei der Rückgabe die gefahrenen Kilometer angerechnet werden, sieht es ab ca. 250.000 km schlecht aus. Über eine pauschale Entschädigung hat der BGH aber nicht entschieden. Noch bessere Chancen hat man möglicherweise mit dem Widerruf der Autofinanzierung.

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