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Fiat-Abgasskandal: Ihre Rechte und betroffene Modelle

Verkehr

Fiat-Abgasskandal: Ihre Rechte und betroffene Modelle
Zusammenfassung:
  • Auch Fiat ist vom Abgasskandal betroffen.
  • Die Marken Alfa-Romeo, Lancia, Iveco und Jeep setzen ebenfalls Fiat-Dieselmotoren mit illegalen Abschalteinrichtungen ein.
  • Den Besitzern von betroffenen Fahrzeugen steht Schadensersatz, eine Ersatzlieferung oder eine Rückabwicklung zu.

Der Abgasskandal bei Fiat Chrysler Automobiles

Seitdem Anfang 2016 Auffälligkeiten bei der Abgasreinigung des Fiat 500X im Straßenbetrieb aufgefallen sind, steht FCA (Fiat Chrysler Automobiles) im Verdacht, ebenfalls in den Diesel-Abgasskandal verwickelt zu sein. Daher hat die US-amerikanische Umweltbehörde EPA bereits im Mai 2017 Klage wegen Verstößen gegen Umweltgesetze gegen Fiat-Chrysler eingereicht.

Ebenfalls im Jahr 2017 hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien eingeleitet. Im Dezember 2021 stellte die Kommission fest, das Italien zwar erste Rückrufe angeordnet, diese aber nicht durch Strafandrohung forciert hat. Italien und Fiat spielen hier wohl auf Zeit.

Im Juli 2020 wurden zehn Gewerbeobjekte im italienischen Piemont, im schweizer Kanton Thurgau und im deutschen Baden-Württemberg sowie Büroräume des Hauptsitzes der FCA Deutschland in Frankfurt am Main durchsucht.

In Folge dessen wurden drei Verantwortliche der FCA und sechs von CNH Industrial, einem Schwesterkonzern zu dem z.B. Iveco gehört, festgenommen. Auch in Frankreich läuft seit Juli 2021 ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Fiat-Chrysler. Der Konzern musste dort bereits eine Kaution für mögliche Strafen hinterlegen.

Die Kernvorwürfe basieren auf gefundener Software, mit deren Hilfe die Schadstoffausstöße in den ersten gut 20 Minuten im Betrieb deutlich reduziert werden im Vergleich zum weiteren Betrieb. Da Testläufe auf dem Prüfstand nur bis zu 20 Minuten dauern, ist dies ein eindeutiger Hinweis auf den Versuch, Abgaswerte zu schönen und damit die entsprechenden Euro-Normen zu erreichen. In einem Prozess am Landgericht Kempten (Az.:13 O 1595/21) haben die Fiat-Anwälte inzwischen eingeräumt, dass die Abgasreinigung nach einer Fahrtzeit von 22 Minuten reduziert wird. Dies dient angeblich dem Motorschutz.

Daneben hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) bei Fiat-Modellen auch festgestellt, dass die Abgasrückführungsrate abhängig von der Temperatur reduziert wird. Das führt außerhalb der Prüfstands-Bedingungen zu einem erhöhten Ausstoß von Stickoxiden. Nach dem ersten EuGH-Urteil im Dieselskandal dürften solche Thermofenster ebenfalls unzulässig sein.

Solche Abschalteinrichtungen sind nach Art. 5 Abs. 2 der VO (EG) 715/2007 verboten. Einher geht hiermit eine unzulässige Bewerbung der betroffenen Fahrzeuge.

Bisher ist bekannt, dass vor allem Modelle mit den Baujahren 2013-2019 vom Abgasskandal betroffen sind. Jedoch wird damit gerechnet, dass sich der Skandal mit der Zeit auf weitere Fahrzeuge mit einer größeren Bandbreite an Baujahren ausweitet, ähnlich wie bei den Skandalen um VW und Mercedes.

Da Modelle von Fiat und Iveco bei einigen Herstellern von Campern als Basis für ihre Reisemobile verwendet werden, sind Caravanbesitzer ebenfalls betroffen. Wohnmobile mit Euro 5 und Euro 6 Motoren halten laut Messungen des Umweltexperten Axel Friedrich auf der Straße keine NOX-Grenzwerte ein und entsprechen dadurch der Abgasklasse Euro 0. Auf Basis dessen geht der Umweltexperte davon aus, dass seit 2008 Manipulation an den Dieselmotoren betrieben wird.

Ihre Rechte im Fiat-Abgasskandal gegenüber FCA und seinen Händlern

Wie der VW-Abgasskandal gezeigt hat, drohen Fiat-Kunden Fahrverbote und Stilllegungen ihrer Fahrzeuge, da Abschalteinrichtungen in der EU nicht genehmigungsfähig sind. Ermittler ermutigen daher geschädigten Kunden, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Hunderte solcher Anzeigen sind bereits eingegangen, wobei es bei 90 % der Fälle um Wohnmobile geht. Um selbst Schadensersatz im Fiat-Abgasskandal zu bekommen, haben die Besitzer betroffener Fiat-Modelle im Wesentlichen 2 Optionen. Welche davon zutrifft, hängt davon ab, ob noch Gewährleistung besteht oder nicht:

Gewährleistung im Fiat-Abgasskandal

Wenn die Gewährleistung noch nicht abgelaufen ist, hat man die besten Karten. Der BGH hat bereits 2019 festgestellt, dass eine illegale Abschalteinrichtung einen Sachmangel darstellt. Damit hat man folgende Rechte:

  • Nacherfüllung: Da Fiat bisher keine Software-Updates oder andere Reparatur-Maßnahmen anbietet (Nachbesserung), kann man vom Händler nach einem BGH-Urteil ein mangelfreies Fahrzeug verlangen (Nachlieferung). Das wäre dann ein vergleichbares Modell aus der aktuellen Produktion mit Abgasnorm Euro 6d (oder neuer). Diese Modelle sind nach unseren Erkenntnissen bisher nicht vom Fiat-Abgasskandal betroffen. Eine Zuzahlung wir in dem Fall oft nicht fällig.
  • Minderung: Alternativ können die Kunden eine nachträgliche Kaufpreisminderung fordern.
  • Nachbesserung: Der Händler kann versuchen das Fahrzeug in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen. Allerdings drohen durch Softwareupdates Schäden an AGR-Ventil und AGR-Kühler.
  • Rücktritt: Der Kunde kann vom Kauf zurücktreten. Er erhält dann seinen Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung erstattet. Auch für den Kauf von Zubehör (z.B. Winterreifen) bekommt man eine Entschädigung.

Die Gewährleistungsfrist beträgt bei Neuwagen 2 Jahre, bei Gebrauchtwagen 1 Jahr ab Übergabe. Der Zeitpunkt zu dem der Kaufvertrag geschlossen wurde oder das Datum der (Erst)Zulassung sind also irrelevant. Bei gewerblichen Käufern kann die Frist aber kürzer sein. In manchen Fällen (z.B. nach Reparaturen) kann sich die Gewährleistung auch verlängern. Da nach unseren Informationen die vom Abgasskandal betroffenen Fiat-Modelle bis 2019 gebaut wurden, sollten sich die Besitzer dieser Fahrzeuge beeilen.

Der ADAC riet Ende 2020 insbesondere betroffenen Fiat-Fahrern, die noch Gewährleistung haben, sich durch einen Anwalt beraten zu lassen. Im März 2021 gab es ein erstes Urteil gegen Fiat.

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Schadensersatz-Anspruch gegen den Hersteller

Auch wenn die Gewährleistung bereits abgelaufen ist, können die Besitzer von Modellen, die vom Fiat-Abgasskandal betroffen sind, vom Hersteller Schadensersatz oder eine Rückabwicklung fordern. Das gilt ab Bekanntwerden des Skandals – was bei Fiat noch gar nicht offiziell ist – drei Jahre lang bis zum Jahresende, maximal bis 10 Jahre nach dem Kauf.

Bei der Rückabwicklung gibt man sein Fahrzeug ab und der Hersteller erstattet den Kaufpreis abzüglich Nutzungsentschädigung. Die Nutzungsentschädigung bei PKW hängt dabei von den gefahrenen Kilometern ab.

Beispiel:
Neupreis: 30.000 €
erwartete Laufleistung (typisch für PKW): 300.000 km
Tachostand bei Rückgabe: 100.000 km
Damit wäre ein Drittel der erwarteten Laufleistung „verbraucht“ und die Nutzungsentschädigung beträgt ein Drittel des Neupreises. Der Kunde erhält für sein Auto also 20.000 €.

Die Besonderheit hierbei ist, dass durch eine Ausnahme des EuGH Autobauer auch außerhalb ihrer Heimatländer verklagt werden können. Das heißt: Man muss Fiat nicht in Italien verklagen, um seine Rechte einzufordern. Zukünftig ist mit einer simplen Nachbesserung durch Softwareupdates nicht zu rechnen, da laut Experten die Hardware in diesem Fall ausschlaggebend ist, welche sich hierdurch nicht verändert.

Aus unserer Sicht dürften die meisten Besitzer von Fiat-Dieseln einen Anspruch auf Schadensersatz bzw. Rückabwicklung gegenüber dem Hersteller haben. Das gilt auch für Gebrauchtwagen.

Betroffene Modelle, Motoren und Camper

Da es sich bei FCA um einen Großkonzern handelt, ähnlich wie bei VW, werden Motoren einzelner Tochterunternehmen auch in anderen Marken verbaut. Dadurch stehen viele Modelle von Fiat, Alfa Romeo, Jeep und Iveco aktuell unter dringendem Verdacht. Insgesamt sind mindestens 200.000 Fahrzeuge in Deutschland betroffen.

Vom ersten Zeugenaufruf des Polizeipräsidiums Frankfurt waren konkret folgende Diesel-Motoren betroffen:

  • 1,3 Liter Multijet
  • 1,3 Liter 16V Multijet
  • 1,6 Liter Multijet
  • 1,6 Liter
  • 2,0 Liter Multijet
  • 2,0 Liter
  • 2,2 Liter Multijet II
  • 2,3 Liter
  • 2,3 Liter Multijet
  • 3,0 Liter

Inzwischen hat die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Frankfurt Main den Verdacht ausgeweitet (Stand 8.2.2021): Damit sind voraussichtlich alle Diesel-Modelle des Fiat-Konzerns betroffen, die die Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 erfüllen (sollten). Das gilt unabhängig vom Baujahr, wobei die Ansprüche bei Fahrzeugen, die vor mehr als 10 Jahren gekauft wurden, verjährt sein dürften. Nicht betroffen sind neuere Fahrzeuge ab der Abgasnorm „Euro 6 d temp“.

Der Fiat 500X mit 2l Hubraum und der Fiat Ducato mit 3,0l sind außerdem auch nach Ansicht des Kraftfahrtbundesamts (KBA) mit unzulässigen Abschalteinrichtungen versehen. Beide reduzieren nach Ansicht des KBA auf der Straße die Abgasrückführung, der 500X zusätzlich die Wirksamkeit des SCR-Katalysators.

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Die vom Abgasskandal betroffenen Motoren wurden insbesondere in folgenden Modellen verwendet:

Vom Abgasskandal betroffene Fiat-Modelle

Vom Abgasskandal betroffene Alfa-Romeo-Modelle

Vom Abgasskandal betroffene Jeep-Modelle

Jeep ist eine Marke von Chrysler und gehört daher auch zum Fiat-Konzern bzw. inzwischen zu Stellantis. Da amerikanische Autohersteller bei PKW traditionell kaum auf Diesel-Antriebe setzen, kommen die Diesel-Motoren dabei von Fiat. Daher sind auch folgende Modelle von Jeep vom Dieselskandal betroffen:

Vom Abgasskandal betroffene Iveco-Modelle

Bei Iveco sind die betroffenen Motoren auch unter der Bezeichnung „Light Duty“ bzw. „Heavy Duty“ bekannt. Die vom Abgasskandal betroffenen Iveco-Modelle sind nach unserer Information:

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Vom Abgasskandal betroffene Lancia-Modelle

Uns liegen noch keine abschließenden Informationen vor, ob auch Lancia-Modelle vom Dieselskandal betroffen sind. Folgende Modelle verwenden aber ebenfalls die vom Fiat-Abgasskandal betroffenen Diesel-Motoren, sodass auch ein Lancia-Dieselskandal naheliegt:

Vom Abgasskandal betroffene Suzuki-Modelle

Im März 2021 wurde bekannt, dass die niederländischen Behörden auch wegen Motoren ermitteln, die von FCA an Suzuki geliefert wurden. Ende April 2022 ordnete die Staatsanwaltschaft Frankfurt außerdem wegen Betrugsverdachts Hausdurchsuchungen im Suzuki-Abgasskandal an. Daher dürften auch Suziki-Diesel vom Fiat-Abgasskandal betroffen sein:

Wohnmobile

Insbesondere der Fiat Ducato und Modelle von Iveco dienen auch als Basis für die Reisemobile diverser Hersteller. Welche Modelle betroffen sind, haben wir in unserem Artikel über den Abgasskandal bei Wohnmobilen sowie in der Liste der vom Dieselskandal betroffenen Wohnmobil-Hersteller zusammengestellt. Auch einzelne Varianten von Peugeot Boxer und Citroen Jumper sind bis 2016 mit 3,0 l-Dieselmotoren von Fiat ausgerüstet worden.

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