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Familienrecht: Mediation bei Scheidung

Eine einvernehmliche Scheidung mit Mediation ist oft besser als der offene Schlagabtausch vor Gericht.

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Familienrecht: Mediation bei Scheidung

Eine einvernehmliche Scheidung mit Mediation ist oft besser als der offene Schlagabtausch vor Gericht. 08.09.2020

Zusammenfassung:
  • Bei einer Scheidungs-Mediation verhandeln die Ehepartner miteinander, im Scheidungsprozess wird über sie verhandelt.
  • Die Mediation spart oft Kosten ein und ermöglicht eine gütliche Einigung über die Scheidungsfolgen.
  • Der Mediator ist dabei ein „allparteilicher“ Vermittler zwischen den Eheleuten.

Warum macht Mediation bei einer Scheidung Sinn?

Der Großteil aller Scheidungsverfahren ist „streitig“. Das bedeutet, dass sich die ehemaligen Partner – mit Hilfe ihrer Scheidungsanwälte – vor Gericht über die Scheidung selbst und die Scheidungsfolgen streiten. Das kostet nicht nur viel Zeit und Geld, es vergiftet oft endgültig das Verhältnis untereinander. Gerade wenn man nach der Scheidung – v.a. wegen der gemeinsamen Kinder – noch miteinander auskommen muss, ist das eine Belastung. Mit einer Scheidungs-Mediation lassen sich solche Probleme oft vermeiden. Darüber hinaus sorgt sie für eine nicht unerhebliche Zeit- und Kostenersparnis im Hinblick auf das Gesamtverfahren.

Ein weiterer Punkt, der für eine einvernehmliche Scheidung und ggf. eine Mediation spricht, ist, dass man ansonsten vor Gericht weitgehend ohnmächtig ist: Bei einer streitigen Scheidung verhandelt der Richter über das Paar. Die Anwälte stellen zu jedem streitigen Punkt die (Maximal-)Forderungen ihrer Mandanten und der Richter entscheidet nach den Buchstaben des Gesetzes – und damit unabhängig von den Präferenzen der scheidungswilligen Eheleute. Bei einer Scheidungs-Mediation dagegen verhandeln die Parteien miteinander und können dabei auch auf ihre jeweiligen Präferenzen Rücksicht nehmen.

Wie Sie trotz Ihrer unterschiedlichen Standpunkte auf einen gemeinsamen Nenner kommen, erklärt Rechtsanwältin Claudia Sturm im Video.

Was macht ein Mediator bei einer Scheidung?

Grundsätzlich ist eine Scheidungs-Mediation nichts anderes als eine Verhandlung über die Folgen der Trennung. Wichtige Punkte sind dabei u.a. die Verteilung von Immobilien und Vermögen, das Sorge- und Umgangsrecht oder der Unterhalt. Manche Paare schaffen das auch allein, ohne die Hilfe eines Mediators. Oft sind die Partner zu einer konstruktiven Verhandlung aber gar nicht mehr in der Lage, z.B. weil die Trennung und die damit verbundenen Gefühle zu sehr schmerzen. Außerdem tun sich Laien oft schwer, verbindliche und rechtssichere Vereinbarungen zu treffen. Daher kann ein Mediator bei der Scheidung helfen.

Der Mediator fördert und steuert das gemeinsame Gespräch der beiden Noch-Ehepartner und vermittelt den Standpunkt des jeweils Anderen, um die Verhandlungen zu vereinfachen, Barrieren zu überwinden und Brücken zu bauen. Dabei ist es die Aufgabe des Mediators, weder Partei zu ergreifen noch zu verurteilen. Teilweise kann der Mediator – wenn er Anwalt ist – auch die Rechtslage erläutern und so z.B. Vereinbarungen vermeiden, die gesetzeswidrig wären.

Ablauf der Mediation bei Scheidungen

Die Mediatoren klären im Zusammenhang mit der Scheidung zunächst ab, ob eine Mediation überhaupt Sinn macht und ob sie die passenden Mediatoren sind. Danach werden Bedingungen für eine Zusammenarbeit inkl. Kosten geklärt und ein schriftliches Arbeitsbündnis geschlossen.

Anschließend klären der Mediator und das Ehepaar, welche Themen überhaupt bearbeitet werden müssen, wie die Sachlage ist und wo es Streit gibt.

Diese Konfliktbereiche werden dann nacheinander geklärt. Dabei geht es nicht nur um die Standpunkte der Parteien, sondern v.a. um die dahinterliegenden Interessen und Motivationen. So versucht der Mediator, dem Paar einen Weg zu einer Lösung zu ebnen. Der Mediator wirkt dabei ausgleichend, achtet auf die Gesprächskultur und unterstützt so das Paar beim Finden eines für sie passenden Weges.

Das Ergebnis der Mediation sollte schriftlich festgehalten werden. Damit die Vereinbarung auch bis zum Scheidungstermin (und darüber hinaus) Bestand hat, sollte man sie anschließend in einer notariellen Vereinbarung verbindlich festlegen. Bei einigen Scheidungsfolgen ist das sogar vorgeschrieben.

Was kostet die Mediation bei einer Scheidung?

Grundsätzlich unterliegen die Kosten einer Scheidungs-Mediation keiner festen Gebührenverordnung. Selbst Anwälte sind nur bei Rechtsdienstleistungen an ihre Gebührenverordnung gebunden, üblich sind bei Rechtsanwälten als Mediatoren 120-200 € pro Stunde. In anderen Berufsgruppen sind die Stundenpreise i.d.R. deutlich günstiger. Allerdings muss die Vereinbarung dann bei Bedarf von einem Anwalt überprüft bzw. ausformuliert werden, was zusätzliche Kosten verursachen kann. Gerade bei Scheidungen wird oft empfohlen, zwei Mediatoren einzusetzen, einen Mann und eine Frau, da sie sich so besser in die Situation der Beteiligten hineinfühlen können. Damit erhöhen sich aber die Kosten entsprechend.

Manche Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Kosten einer Mediation. Das kann sogar dann gelten, wenn das Thema Scheidung eigentlich nicht abgedeckt ist. Verfahrenskostenhilfe für Bedürftige gibt es dagegen für eine Mediation nicht. Insbesondere bei Streit um Themen, die die Kinder betreffen (Unterhalt, Sorgerecht, Umgangsrecht) gibt es teilweise kostenlose Angebote, z.B. vom Jugendamt.

Bei der Betrachtung der Kosten einer Mediation sollte man auch bedenken, dass eine erfolgreiche Mediation auch Kosten einsparen kann. Das gilt insbesondere dann, wenn sie zu einer einvernehmlichen Scheidung führt. Wie hoch die Kosten einer streitigen Scheidung im Vergleich zu einer einvernehmlichen Scheidung in Ihrem Fall ausfallen, können Sie mit unserem Scheidungskosten-Rechner herausfinden.

Welche Ausbildung haben Mediatoren?

Auch ein Mediator für Scheidungen muss nicht unbedingt Jurist sein. Tatsächlich muss ein Mediator in Deutschland nur „eine geeignete Ausbildung und eine regelmäßige Fortbildung“ sicherstellen. Konkrete Inhalte sind dabei bewusst nicht vorgegeben, damit die Mediatoren auch unterschiedliche Ansätze verfolgen können. Daher gibt es auch gute Mediatoren, die beispielsweise Psychologie oder Sozialpädagogik statt Jura studiert haben. Konkrete Vorschriften zur Ausbildung gibt es dagegen für „zertifizierte Mediatoren“ sowie von den Mediatoren-Verbänden.

Auch bei Rechtsanwälten zählt eine Scheidungs-Mediation nicht als Rechtsdienstleistung, solange der Anwalt keine rechtlichen Regelungsvorschläge einbringt. Außerdem ist zu beachten, dass ein Anwalt, der als Mediator tätig war, keine der Parteien im weiteren Verfahren vertreten darf.

Mediatoren, die nicht Rechtsanwalt sind, dürfen dagegen selbst keine Rechtsberatung anbieten. Sie müssen darauf hinweisen, dass für Rechtsfragen ggf. ein Anwalt hinzugezogen werden kann.

Mehr Infos zum Thema Mediation finden Sie in unseren FAQs zu Mediation bei Scheidungen mit Kindern und Mediation bei eskalierenden Scheidungen.

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