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Wenn die Scheidung eskaliert: So kann eine Mediation helfen

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Wenn die Trennung eskaliert: Wie Sie mit Mediation noch eine respektvolle Scheidung erreichen

Experten

Wenn die Trennung eskaliert: Wie Sie mit Mediation noch eine respektvolle Scheidung erreichen

Endet eine Beziehung in einer Scheidung, kochen die Gefühle schnell über. Mediator Michael Donath berät Paare in dieser schwierigen Zeit und bringt sie dazu, wieder miteinander zu reden. Im Interview verrät er, wie das gelingt und was Paare selbst tun können, um Konflikte zu vermeiden. 29.06.2020

Herr Donath, welche Voraussetzungen benötigt ein Paar für eine erfolgreiche Mediation bei einer Scheidung?

Zunächst einmal die schlichte Bereitschaft beider Ehepartner, sich auf die Mediation bei einer Scheidung überhaupt einzulassen. Der Willen, gemeinsam Lösungen für die Konfliktpunkte zu finden und entsprechende Kompromisse einzugehen. Der Rest kommt dann oft von selbst.

Wie funktioniert eine Mediation bei einer Scheidung?

Bei einer Mediation werden Konflikte selbstverantwortlich durch einen neutralen Dritten geregelt. Der Mediator hilft, einander zu verstehen. Daher spricht man auch von einer „Verstehens-Vermittlung“. Es geht darum zu begreifen, was den anderen bewegt und zu seinem Handeln bei einer Scheidung veranlasst. Der Mediator hilft dann, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wichtig ist dabei: Die Lösungen müssen von den Parteien selbst erarbeitet und vorgeschlagen werden. Im Idealfall steht am Ende eine Vereinbarung, die von allen Beteiligten getragen werden kann.

Wie funktioniert das bei einer Scheidung? Wann sollten Paare einen Mediator konsultieren, um doch noch einen respektvollen Umgang miteinander zu finden?

Ich glaube, es gibt keinen allgemeingültigen optimalen Zeitpunkt, eine Mediation bei einer Scheidung zu beginnen. Die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, sind zu unterschiedlich. Der Vorteil einer frühen Mediation ist, dass es womöglich noch keine festgefahrenen Meinungen zu bestimmten Themen oder gar verhärtete Fronten zwischen den Partnern gibt. Andererseits brauchen manche Partner gerade diese Erfahrung, es nicht allein hinbekommen zu haben, um sich dafür zu entscheiden, mit professioneller Hilfe Konflikte zu klären. So gesehen ist jeder Zeitpunkt der richtige Zeitpunkt.

Gibt es auch Konflikte, bei denen die Mediation innerhalb einer Scheidung keinen Sinn mehr macht?

Aus meiner Sicht nicht, da würde ich die Hürde schon sehr hoch legen. In einer ernsthaften Familienmediation muss es nicht immer “sanft“ zugehen, auch dort fliegen manchmal die Fetzen, es fließen Tränen oder es herrscht ein rauer Ton mit massiven Vorwürfen. Aber die Werkzeuge und Konzepte der Mediation sind gerade für solche Situationen entwickelt worden, in denen die Konfliktparteien an die eigenen Grenzen stoßen. Solange die Parteien überhaupt noch kommunizieren, kann alles gut werden. Der Dialog an sich ist die Grundlage für die Suche nach Lösungen.

Wann knallt es denn am häufigsten zwischen den Partnern im Scheidungsprozess?

Die beiden Klassiker sind natürlich die Kinder und das Geld. Die Kinder, weil hier große Gefühle den Verstand regieren und die Kinder auch oft – bewusst oder unbewusst – instrumentalisiert werden, um eigene Ziele bei einer Scheidung zu erreichen. Das Geld, weil mit den Themen Unterhalt und Vermögensauseinandersetzung regelmäßig für einen, oft auch für beide Partner existenzielle Fragen verbunden sind. Aber: Die Praxis zeigt, dass sich auch über jede andere vermeintlich unbedeutende Frage trefflich streiten lässt.

Was machen Sie als Mediator in diesen Fällen? Welche konkreten Schritte leiten Sie ein, um diese Probleme bei einer Scheidung zu lösen?

Es gibt in diesem Zusammenhang kein Patentrezept. Die zerstrittenen Eheleute sind häufig emotional instabil und haben die Fähigkeit verloren, sich selbst beruhigen zu können. Ziel des Mediators ist in diesen Fällen, neutral zu bleiben und die Konfliktparteien zu stabilisieren, indem beispielsweise der Mediationsprozess innerhalb der Scheidung noch klarer als sonst offengelegt und in kleinen, zeitlich eng begrenzten Schritten die Ergebnisse regelmäßig ausgewertet werden. Das wirkt beruhigend und baut Stress ab.

Gibt es eine Art „goldene Regel“ bei der Mediation von Trennungspaaren?

Die gibt es nicht. So unterschiedlich Menschen mit ihren Konflikten sind, so unterschiedlich sind Mediatorinnen und Mediatoren. Ich persönlich empfinde es bei der Mediation von Trennungspaaren wichtig, dass den Konfliktparteien bewusst wird, dass meist einer von ihnen gegenüber dem anderen einen Informationsvorsprung besitzt, weil er sich schon seit einiger Zeit gedanklich mit dem Thema Trennung beschäftigt. Er hatte also mehr Zeit, sich mit den Gefühlen und Problemen dieser Phase auseinanderzusetzen und sie zu verarbeiten. Das lindert das Gefühl, von der Trennung überrascht worden zu sein und vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Dann fällt es auch leichter, sich insgesamt auf die gemeinsame Konfliktlösung einzulassen.

Welche Tipps können Sie Paaren geben, die deeskalierend wirken und die sie auch ohne Mediator befolgen können?

Gebt Euch generell Mühe, wertschätzend miteinander zu kommunizieren, behandelt den Anderen einfach so, wie Ihr selbst behandelt werden möchtet, versucht Euch in den anderen hineinzuversetzen, zu überlegen, was Ihr an seiner Stelle denken und tun würdet. Das kann schon viele Konflikte verhindern.

Bei einer Mediation werden Konflikte selbstverantwortlich durch einen neutralen Dritten geregelt. Der Mediator hilft, einander zu verstehen. Daher spricht man auch von einer „Verstehens-Vermittlung“. Es geht darum zu begreifen, was den anderen bewegt und zu seinem Handeln bei einer Scheidung veranlasst. Der Mediator hilft dann, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wichtig ist dabei: Die Lösungen müssen von den Parteien selbst erarbeitet und vorgeschlagen werden. Im Idealfall steht am Ende eine Vereinbarung, die von allen Beteiligten getragen werden kann.

Vita Michael Donath

Michael Donath aus Schwäbisch Hall ist seit 1992 selbständiger Rechtsanwalt, seit 1997 Fachanwalt für Familienrecht und seit 2000 auch Fachanwalt für Strafrecht. Im September 2017 erhielt er seine Zertifizierung als Mediator und bietet in Ergänzung zu seinen Anwaltstätigkeit Mediation, Einzelberatung und außergerichtliche Konfliktlösung an.

Michael Donath ist Mediator für Scheidungen
Michael Donath ist Fachanwalt für Familienrecht und bieter Mediation bei Scheidungen an.

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