Geldanlage
Zusammenfassung:
  • Waldinvestments eignen sich ideal zum Anlagebetrug.
  • Sharewood-Anleger können sich u.a. durch Widerruf wehren.

Betrügerische Waldinvestments? Sharewood & Co

Geldanlage
  • Robert Metz
Zusammenfassung:
  • Waldinvestments eignen sich ideal zum Anlagebetrug.
  • Sharewood-Anleger können sich u.a. durch Widerruf wehren.

Eigentlich scheinen Tropenwaldfonds wie von Sharewood eine nachhaltige Geldanlage zu sein. Oft handelt es sich aber um Betrug. (Symbolbild: Teakplantage)

Die Geldanlage in Tropenholzplantagen wird seit einigen Jahren als nachhaltiges und renditeträchtiges Investment verkauft. Auf dem Markt sind bzw. waren Unternehmen wie Sharewood Switzerland AG, Mama Earth Foundation Inc, Noblewood Group, Life Forestry Switzerland AG, Green Planet AG oder Lignum Edelholz AG aktiv. Allerdings: Die genannten Unternehmen sind entweder bereits pleite oder ihnen wurde das „öffentliche Angebot“ ihrer Anlageprodukte in Deutschland untersagt. Bei der Stiftung Warentest sind 2018 selbst die heute noch zugelassenen Angebote mit Verkaufsprospekt alle durchgefallen. Wir erläutern im Folgenden die Gefahren bei der Anlage in Baumplantagen und erklären Ihnen, wie sich Anleger wehren können.

Gefahren bei Firmen wie Sharewood

Nicht bei allen Wald-Investments muss es sich um Anlagebetrug handeln; sie sind dafür allerdings sehr gut geeignet. Das liegt am Anlagehorizont solcher Tropenholz-Plantagen. Der Kunde kauft nämlich i.d.R. eine bestimmte Fläche mit frisch gepflanzten Setzlingen. Erst nach einigen Jahren wird diese Plantage durchforstet, wodurch geringe Erträge anfallen. Der Verkauf der ausgewachsenen Stämme erfolgt teilweise erst nach Jahrzehnten. Bis die ersten Anleger erfahren, dass die versprochenen Renditen nicht erzielt werden können, haben die Anbieter beispielsweise bei Teakholz etwa 20 Jahre Zeit, weitere Kunden zu gewinnen. Und so lange kann auch der Vertrieb weiter Provisionen einstreichen.

Hinzu kommt, dass die wenigsten Privatanleger eine Ahnung von Waldplantagen und dem Holzmarkt haben. Damit können sie auch nicht abschätzen, ob die vereinbarten Preise angemessen sind. Recherchen der ARD haben z.B. ergeben, dass bei Sharewood pro Hektar bis zu 40.000€ für neu angelegte Teakholz-Plantagen bezahlt und sechsstellige Erträge prognostiziert wurden. Laut einem Experten sollen die Erträge für Teak aber nur bei etwa 30.000€ pro Hektar liegen – und das auch nur bei verkehrsgünstig gelegenen Plantagen. Bei weit von potentiellen Kunden entfernt gelegenen Plantagen dagegen ist zwar die Pacht für den Anbieter gering, die hohen Transportkosten fressen aber schnell einen Großteil der Verkaufserlöse auf.

Auch die Vertriebs- und Marketingkosten bei Tropenholz-Plantagen sind teilweise sehr hoch. Bei der Sharewood AG sollen bis zu 12% der Investitionssummen an die Vertriebsmitarbeiter gegangen sein. Andere Anbieter schalten im großen Umfang Werbung, beispielsweise aufdringliche Online-Werbung.

Insgesamt besteht bei den als „sicher“ und „nachhaltig“ verkauften Waldinvestments das Risiko, dass die prognostizierten Erlöse nicht erzielt werden können. Der ARD liegt ein Beispiel vor, bei dem einer Sharewood-Anlegerin nahegelegt wurde, dass ihre Balsa-Hölzer am besten „fachgerecht zerkleinert“ und „vor Ort in den Boden eingearbeitet“ werden sollten.

Was Sharewood-Anleger tun können

Viele Waldinvestment-Anbieter wie die Sharewood AG haben ihren Sitz in der Schweiz und versuchen in ihren AGB, schweizer Recht und einen schweizer Gerichtsstand durchzusetzen. Anlegeranwälte halten das aber nicht für zulässig.

Geprellten Anlegern stehen bei Tropenholz-Plantagen grundsätzlich dieselben Mittel offen wie anderen Anlegern. Allerdings scheitert die Prospekthaftung oft daran, dass die Anbieter wie Sharewood die Prospektpflicht teilweise mit oft fragwürdigen Mitteln umgangen haben. Angesichts der Tatsache, dass die BaFin der Sharewood Switzerland AG, der Noblewood Group, der Life Forestry Switzerland AG und der Mama Earth Foundation Inc. inzwischen das „öffentliche Angebot“ in Deutschland untersagt hat, spricht aber dafür, dass die Prospektpflicht auf illegale Weise umgangen wurde. Damit müssten die Anbieter aufgrund des fehlenden Verkaufsprospekts haften.

Auch die Beratungshaftung bietet hier einen möglichen Ausweg. Dabei wird beispielsweise ein Vermittler schadensersatzpflichtig, wenn durch eine mangelhafte Risiko-Aufklärung ein Schaden entsteht. Besonders attraktiv ist diese Möglichkeit, wenn der Anbieter pleitegeht, der Vertrieb aber über externe Firmen erfolgte.

Ein erstes Urteil gegen Sharewood deutet darauf hin, dass die Anleger nicht korrekt über ihr Widerrufsrecht aufgeklärt wurden. Damit steht ihnen – ähnlich wie beim Widerruf von Autokrediten – ein ewiges Widerrufsrecht zu. Der Anbieter müsste daher die Geldanlage zuzüglich Zinsen zurückerstatten.

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