Allgemein
  • 23.12.2016
Zusammenfassung:
  • Man differenziert einfache und qualifizierte Arbeitszeugnisse sowie Zwischenzeugnisse während des Arbeitsverhältnisses.
  • Arbeitnehmer haben grundsätzlich Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
  • Der Arbeitgeber muss die Leistung wohlwollend aber wahrheitsgemäß bewerten.

Arbeitszeugnis – Ihr Recht auf eine Bewertung durch den Arbeitgeber

Allgemein
  • Luisa Rödemer
  • 23.12.2016
Zusammenfassung:
  • Man differenziert einfache und qualifizierte Arbeitszeugnisse sowie Zwischenzeugnisse während des Arbeitsverhältnisses.
  • Arbeitnehmer haben grundsätzlich Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
  • Der Arbeitgeber muss die Leistung wohlwollend aber wahrheitsgemäß bewerten.

Bei Bewerbungen ist das Arbeitszeugnis des vorherigen Arbeitgebers wichtig. (Foto: contrastwerkstatt/fotolia)

Es gibt unterschiedliche Zeugnisse: Zwischenzeugnis, einfaches und qualifiziertes Arbeitszeugnis

Für eine Bewerbung auf einen neuen Arbeitsplatz ist es unerlässlich: Das Arbeitszeugnis. Denn damit wird bereits abgeschätzt, ob ein Bewerber für den Arbeitsplatz, das Team und die Tätigkeit geeignet ist.

Dabei wird in der Praxis zwischen dem Zwischenzeugnis, dem einfachen und dem qualifizierten Arbeitszeugnis unterschieden. Ein Zwischenzeugnis kann der Arbeitnehmer während des laufenden Arbeitsverhältnisses fordern, wenn ihm zum Beispiel eine Kündigung in Aussicht gestellt wurde oder er sich in der Zukunft beruflich verändern möchte. Ein einfaches Arbeitszeugnis enthält lediglich die Art und Dauer der erbrachten Leistung, während das qualifizierte Arbeitszeugnis genaue Auskunft über die Leistung und Führung des Arbeitnehmers gibt.

Auf welche Arbeitszeugnisse besteht ein Anspruch?

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf eine schriftliche Bewertung durch den Arbeitgeber. Das ist gesetzlich in § 109 der Gewerbeordnung (GewO) festgelegt. Dort ist auch bestimmt, dass „das Zeugnis (..) klar und verständlich formuliert sein (muss). Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen“ (§ 109 Abs. 2 GewO).

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Etwas anderes gilt nur, wenn der Arbeitnehmer nur eine sehr kurze Zeit bei dem Arbeitgeber tätig war und damit eine konkrete Bewertung der Leistung des Arbeitnehmers nicht möglich ist. Für Auszubildende folgt der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis aus § 16 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG).

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Welche Angaben muss ein Arbeitszeugnis enthalten?

Das Zeugnis muss Name und Anschrift des Arbeitgebers enthalten, Name, Anschrift und Geburtsdatum des Arbeitnehmers, die Dauer und genau Beschreibung der Tätigkeit und, im Fall eines qualifizierten Arbeitszeugnisses, die Bewertung und Führung des Arbeitnehmers.

Ob eine Grußformel am Ende des Arbeitszeugnisses enthalten sein muss, wird von den Arbeitsgerichten nicht einheitlich bewertet. Das Bundesarbeitsgericht hat allerdings bereits mehrfach, zuletzt im Jahr 2012 (BAG, Urteil vom 11.12.2012, 9 AZR 227/11), entschieden, dass ein Anspruch auf eine Grußformel nicht besteht.

Eine ungerechtfertigt schlechte Bewertung im Arbeitszeugnis braucht nicht hingenommen werden. Sie können dagegen gerichtlich angehen. (Foto: omphoto/photocase.de)
Eine ungerechtfertigt schlechte Bewertung im Arbeitszeugnis braucht nicht hingenommen werden. Sie können dagegen gerichtlich angehen. (Foto: omphoto/photocase.de)

Arbeitszeugnis: Formulierungen müssen genau beachtet werden

Entgegen der häufigen Meinung, ein Arbeitszeugnis dürfe nicht schlechter bewertet sein als die Note zwei, ist der Arbeitgeber tatsächlich verpflichtet, die Leistung des Arbeitnehmers wahrheitsgemäß zu bewerten. Er kann sich im Zweifelsfall gegenüber einem neuen Arbeitgeber sogar Schadensersatzpflichtig machen, wenn er über die Leistung des Arbeitnehmers gelogen hat.

Dabei können die Formulierungen eines Arbeitszeugnisses wie folgt entschlüsselt werden:

– „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ = sehr gut
– „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ = gut
– „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ = gut
– „stets zu unserer Zufriedenheit“ = befriedigend
– „zu unserer vollen Zufriedenheit“ = befriedigend
– „zu unserer Zufriedenheit“ = ausreichend
– „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ = mangelhaft

Äußerst negative Formulierungen, die auch als Beleidigung ausgelegt werden können, sind hingegen rechtlich nicht zulässig. Die Bestätigung, der Arbeitnehmer beherrsche die Grundlagen der deutschen Rechtschreibung oder besitze ein Mindestmaß an Anstand, wären auch bei tatsächlich schwachen Leistungen eines Arbeitnehmers unzulässig. Arbeitszeugnis Muster finden sich online.

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Das Arbeitszeugnis kann gerichtlich eingefordert werden

Laut Gesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer ein Zeugnis zu erteilen. Tut er dies trotz Verlangen des Arbeitnehmers nicht, kann dieser das Arbeitszeugnis gerichtlich einfordern.

Dazu bedarf es einer Verpflichtungsklage auf Erteilung eines wohlwollenden und auf Leistung und Führung ausgerichteten Arbeitszeugnisses. Auch wegen eines unrichtigen, insbesondere zu schlecht bewerteten Zeugnisses kann der Arbeitnehmer klagen. Dabei muss der Arbeitnehmer darlegen, dass seine Leistung besser gewesen ist, als in dem Zeugnis dargelegt. Der Arbeitgeber ist hingegen nur dann beweispflichtig, wenn er den Arbeitnehmer schlechter als „befriedigend“ bewertet hat.

Quelle: Gewerbeordnung, arbeitszeugnis.de

Tipps:
  • Sie haben sowohl einen Anspruch auf ein Zwischen- als auch auf ein Endzeugnis. Sie können diesen Anspruch auch gerichtlich geltend machen.
  • Entspricht das Zeugnis nicht Ihrer tatsächlichen Leistung, können Sie auf ein besseres Zeugnis klagen!
  • Bitten Sie ihren Arbeitgeber um eine wohlwollende Grußformel, ein Anspruch hierauf besteht nach dem BAG aber nicht.

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