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Wie erstatte ich eine Strafanzeige?

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Strafanzeige erstatten – so geht’s
22. April 2024
  • Bei Verdacht einer Straftat sollten Sie immer eine Strafanzeige erstatten.
  • Eine Strafanzeige kann gegenüber jeder Strafverfolgungsbehörde erfolgen.
  • Strafanzeige und Strafantrag sind zu unterscheiden. Nur ein Strafantrag kann zurückgezogen werden.
  • Bei Rücknahme einer Strafanzeige können Kosten entstehen.
  • Ermittlungsbehörden können auch bei Rücknahme eines Strafantrages ermitteln, sofern es sich um ein Offizialdelikt oder ein relatives Antragsdelikt mit einem öffentlichen Interesse handelt.
  • Nicht jede Anzeige führt zu einer Anklage oder Verurteilung.

Wenn einem Unrecht angetan wird, besteht bei Betroffenen häufig das
Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Ein Täter soll nicht ungeschoren
davonkommen, sondern seine gerechte Strafe erhalten. Doch die Justiz
kann nur tätig werden, wenn sie auch Kenntnis von einer möglichen
Straftat erhält und die entsprechenden Ermittlungen einleiten kann. Wir
erklären Ihnen, was Sie bei der Erstattung einer Strafanzeige beachten
müssen.

Wann soll ich Strafanzeige erstatten?

Sie sollten immer dann eine Strafanzeige erstatten, wenn Sie der
Auffassung sind, dass eine Straftat begangen wurde, oder eine Straftat kurz
bevorsteht. Sie müssen dabei nicht wissen, um welchen Tatbestand oder
um welche Straftat nach dem Strafgesetzbuch (StGB) es sich handeln
muss. Die rechtliche Einordnung übernehmen die Strafbehörden. Sie
sollten aber davon überzeugt sein, dass eine Straftat begangen wurde.
Unter keinen Umständen sollten Sie eine Anzeige erstatten, wenn Sie
lediglich vermuten ohne dass es hierfür konkrete Anhaltspunkte gibt die
eine solche Vermutung unterstützen, oder die Absicht haben mit der

Anzeige eine andere Person zu schädigen. Falsche Angaben bei der
Anzeigenerstattung kann den Straftatbestand der Verleumdung, der
falschen Verdächtigung oder dem Vortäuschen einer falschen Straftat
erfüllen.

Sollten Sie sich nicht sicher sein, oder lediglich einzelne Informationen
haben, die auf eine Straftat hindeuten könnten, können Sie sich auch
jederzeit an die Strafverfolgungsbehörden unter deren Hinweisportalen
wenden. Wichtig ist dabei, dass Sie Vermutungen nicht als Tatsachen
darstellen und dies bei den Strafverfolgungsbehörden auch entsprechend
kommunizieren.

Wenn Sie Zeuge einer Straftat sind, und keine Anzeige erstatten können
Sie sich jedoch auch der Beihilfe strafbar machen, wenn dadurch der Täter
nicht strafrechtlich belangt werden kann. Folglich gilt, im Zweifel sollten
Sie sich an die Polizei wenden und Ihre Informationen mitteilen. Diese
werden Sie anschließend beraten ob Anhaltspunkte für Straftat vorliegen.

Wo kann ich Strafanzeige erstatten?

Strafanzeige kann bei allen Strafverfolgungsbehörden, folglich Polizei,
Staatsanwaltschaft und alle Gerichte, erfolgen.

Bei dringenden Notfällen sollten Sie sich bevorzugt an die Polizei über die
Nummer 110 wenden. Dort wird Ihnen am schnellsten geholfen.

Bei nicht dringlichen Fällen können Sie mit Polizeidienststellen vor Ort,
per Telefon oder online in Kontakt treten. Sie können sich dabei an jede
Polizeidienststelle wenden, unabhängig davon wo die Straftat begangen
wurde, oder Sie Ihren Wohnsitz haben. Die Polizeidienststelle sich mir
Ihnen in Verbindung setzen. Sollten die Beamten der Auffassung sein, dass
eine Straftat vorliegen könnte, werden diese die Anzeige aufnehmen.

Welche Angaben müssen bei einer Strafanzeige gemacht werden?

Neben Ihren Personalien werden Sie gebeten, sofern bekannt, der Name
und die Adresse des Täters anzugeben. Es besteht auch die Möglichkeit
eine Anzeige gegen Unbekannte, wie beispielsweise bei einem
Einbruchsdiebstahl zu erstatten. Weiter müssen Angaben zum Sachverhalt
gemacht werden. Dabei sollten Sie möglichst genau den Tathergang
beschreiben. Sollten Ihnen nachträglich noch Angaben oder Details
einfallen, können Sie sich jederzeit unter Angabe des Aktenzeichens,
welches Ihnen die Beamten ausstellen wird, melden und diese
nachreichen. Betroffene befinden sich nicht selten bei der
Anzeigenerstattung in einer enormen Stresssituation. Es ist daher
vollkommen normal, dass Betroffenen nach einem zeitlichen Abstand,
doch noch an Informationen und Details erinnern können. Sie brauchen
daher nicht zu befürchten, dass Ihre Glaubwürdigkeit darunter leidet, wenn
Sie Informationen nachreichen.

Kann man eine Strafanzeige zurückziehen?

Eine Strafanzeige kann man nicht zurücknehmen. Eine Strafanzeige ist wie
der Name schon sagt, das Anzeigen einer Straftat. Umgangssprachlich
wird die Strafanzeige jedoch als Synonym für einen Strafantrag verwendet.
Ein Strafantrag ist ein Antrag gegenüber den Strafbehörden eine Tat
strafrechtlich zu verfolgen, dieser kann zurückgezogen werden. Dies
bedeutet jedoch nicht, dass die Strafverfolgungsbehörden ihre
Ermittlungen in jedem Fall einstellen müssen.

Im Strafrecht unterscheidet man zwischen absoluten, relativen
Antragsdelikten und Offizialdelikten. Bei absoluten Antragsdelikten
handelt es sich um Delikte, die nur auf Strafantrag strafrechtlich verfolgt
werden.

Absolute Antragsdelikte sind u.a.:

 Pfandkehr § 289 StGB

 Vollrausch § 323a StGB (nur wenn auch die Bezugstat
antragsbedürftig ist)
 Entziehung elektrischer Energie § 248c StGB
 Verstoß gegen Weisungen während der Führungsaufsicht §
145a StGB
 Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs §
201 Abs. 1 und 2, §§ 202, 203 und 204 StGB
 Haus- und Familiendiebstahl § 247 StGB
 Hausfriedensbruch § 123 StGB
 Unbefugter Gebrauch eines Fahrzeugs § 248b StGB
 Vereiteln der Zwangsvollstreckung § 288 StGB
 Beleidigung § 185 StGB
 Üble Nachrede § 186 StGB
 Verleumdung § 187 StGB
 Verletzung des Steuergeheimnisses § 355 StGB

Wird der Strafantrag zurückgezogen, werden auch die Ermittlungen
eingestellt.

Bei relativen Antragsdelikten handelt es sich um Straftaten die
grundsätzlich auf Antrag verfolgt werden. Die Strafverfolgungsbehörden
können jedoch auch dann ermitteln, wenn ein öffentliches Interesse an der
Aufklärung der Tat besteht. Ein öffentliches Interesse kann beispielsweise
bejaht werden, wenn der Täter bereits vorbestraft ist.

Hierzu gehören u.a. folgende Delikte:

 Körperverletzung § 223 StGB
 fahrlässige Körperverletzung § 229 StGB
 Nachstellung § 238 Abs. 1 StGB
 Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen § 248a
StGB
 Entziehung Minderjähriger § 235

 Computersabotage § 303b StGB
 Sexueller Missbrauch von Jugendlichen § 182 (Nur Abs. 3)
StGB
 Sachbeschädigung § 303 StGB
 Datenveränderung § 303a
 Exhibitionistische Handlungen § 183 StGB
 Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs §§
202 a und 202 b StGB
 Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr §
299 StGB

Werden die Ermittlungen und das Verfahren nach Rücknahme des
Strafantrages eingestellt, müssen Sie ggf. für die Kosten der Ermittlungen
nach § 470 StGB aufkommen.

Bei Offizialdelikten kann und müssen die Strafverfolgungsbehörden
ermitteln, wenn der Verdacht besteht, dass eine Straftat begangen worden
sein könnte. Selbst wenn Sie einen Strafantrag zurückziehen, haben die
Strafverfolgungsbehörden Kenntnis von einer möglichen Straftat erlangt
und müssen von Amts wegen weiter ermitteln.

Kommt es nach einer Anzeige zu einer Anklage?

Nicht jede Anzeige führt zu einer Anklage oder einer Verurteilung.
Nachdem Sie eine Anzeige erstattet haben, werden die
Strafverfolgungsbehörden tätig. Die Polizei ermittelt und trägt Beweise
zusammen. Die Staatsanwaltschaft prüft anschließend, ob die
Voraussetzungen für eine Anklage geben sind. Sind die Beweise nicht
ausreichend wird das Verfahren eingestellt.

Die Polizei darf Ihnen während den laufenden Ermittlungen keine
Informationen über den Ermittlungsstand geben. Sie müssen sich vielmehr
an die Staatsanwaltschaft wenden, und nachfragen, ob Anklage erhoben

wird. Sollte das Verfahren eingestellt werden, werden Sie hierüber
schriftlich informiert.

Autor

Samantha ist Juristin mit den Schwerpunkten Zivilrecht und Vertragsgestaltung. Sie absolvierte ihr erstes Staatsexamen in Bonn, erwarb einen LL.M. in Internationaler Schiedsgerichtsbarkeit in Stockholm und sammelte mehrere Jahre Berufserfahrung im Energie- und Vertragsrecht. Als engagierte Autorin bringt sie juristische Themen aus Begeisterung auf den Punkt.

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