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Welche Rechte stehen mir bei einem Arbeitszeugnis zu?

Arbeitszeugnis – Rechte und Ansprüche
6. Juli 2024
  • Jeder Angestellte hat das Recht ein Arbeitszeugnis zu verlangen.
  • Ein Arbeitszeugnis bringt Vorteile bei der Jobsuche mich sich die nicht leichtfertig aufgegeben werden sollten.
  • Der Arbeitgeber muss sich an klaren und standardisierten Formvorschriften bei der Erstellung eines Arbeitszeugnisses halten.
  • Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis verjährt grundsätzlich nach drei Jahren.

Nicht immer endet ein Arbeitsverhältnis spannungsfrei. Was auch
immer der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist, am
Ende muss der Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis ausstellen. Doch was
darf der Arbeitgeber reinschreiben und was nicht?

Wir erklären Ihnen, welche Ansprüche Arbeitsnehmern bei einem
Arbeitszeugnis zustehen.

Was ist ein Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis ist eine schriftliche Bescheinigung über den
Umfang, die Dauer und den Verlauf einer beruflichen Anstellung,
ausgestellt vom Arbeitgeber. Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, nach
einer Beschäftigung ein Arbeitszeugnis zu verlangen. Der Arbeitgeber
muss innerhalb von zwei Wochen nach Beantragung das Zeugnis
ausstellen.

Es wird dabei zwischen einfachem und qualifiziertem Arbeitszeugnis
unterschieden.

Bei einem einfachen Arbeitszeugnis werden lediglich die Art und Dauer
der Beschäftigung aufgelistet und stellt überwiegend die Ausnahme dar.

Dieses Zeugnis eignet sich dann, wenn der Arbeitnehmer nur kurze Zeit
im Unternehmen verbracht hat, und der Arbeitgeber noch keine
Möglichkeit hatte, sich ein Bild von der Arbeitsleistung sowie dem
Verhalten des Arbeitnehmers zu machen. Der Mehrwert eines solchen
Zeugnisses liegt darin, Lücken im Lebenslauf zu schließen.

Dem gegenüber steht das qualifizierte Arbeitszeugnis. Bei diesem wird
der Umfang der Tätigkeiten, Verantwortungsbereiche sowie die Qualität
der Arbeit des Arbeitnehmers während seiner Beschäftigung beurteilt,
und Angaben zu seinem Verhalten gegenüber Kolleginnen und
Vorgesetzten gemacht.

Je nachdem zu welchem Zeitpunkt das Zeugnis ausgestellt wird, werden
folgende Zeugnisse unterschieden:

Zwischenzeugnis: Hierbei wird das Zeugnis ausgestellt, während sich
der Arbeitnehmer noch in einer Anstellung befindet. Ein solches
Zeugnis eignet sich dann, wenn eine Gehaltsverhandlung oder
Beförderung im Raum steht. Über die Jahre kann sich das Aufgabenfeld
eines Arbeitnehmers erheblich verändern. Für den Fall, dass der
Arbeitnehmer sich anderweitig auf dem Arbeitsmarkt umsehen möchte,
nachdem er über einen langen Zeitraum bei nur einem Arbeitgeber
angestellt ist, empfiehlt es sich, seinen Arbeitgeber um ein
Zwischenzeugnis zu bitten.

Vorläufiges Zeugnis: Das Zeugnis wird noch vor Ende des
Arbeitsverhältnisses angefertigt, wenn absehbar ist, dass das
Arbeitsverhältnis bald enden wird. Nicht jeder Auszubildene wird nach
Abschluss seiner Ausbildung übernommen. Der Ausbilder stellt in
vielen Fällen die erste Referenz für die weiterführende Karriere dar.
Damit Sie bei der Suche nach dem ersten Job nach der Ausbildung
bereits konkurrenzfähig sind, können Sie Ihren Arbeitgeber um ein
vorläufiges Zeugnis bitten.

Endzeugnis: Das Endzeugnis ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis,
welches nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgestellt wird.
Hierbei handelt es sich um das Arbeitszeugnis im “klassischen Sinn“.

Ein Arbeitszeugnis muss klar formuliert und unmissverständlich sein.
Der Arbeitgeber darf keine doppeldeutige Sprache verwenden, die den
zukünftigen Arbeitgeber beeinflussen könnte. Weiter muss das
Arbeitszeugnis wohlwollend formuliert werden, um den Arbeitnehmer
nicht in seiner beruflichen Zukunft zu beeinträchtigen.

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich auch Späne! Nicht jeder Mensch
ist kompatibel und Konflikte am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit. Aus
diesem Grund kann sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber
das Arbeitsverhältnis beenden. Der Arbeitnehmer soll an einem neuen
Ort die Möglichkeit eines Neuanfangs haben. Es ist daher
unangemessen, wenn der Arbeitgeber eine informelle Wortwahl
verwendet oder offen über den Konflikt herzieht. Stattdessen muss er
sich einer standardisierten Formulierung bedienen.

Im Internet lassen sich viele Ratgeber und Knigge-Erläuterungen
finden, die diese Formulierungen in Schulnoten umwandeln. Der
Arbeitgeber muss in seinem Zeugnis nicht lügen. War er folglich nicht
mit der Arbeitsleistung zufrieden, kann er dies durch eine
entsprechende Formulierung vermerken.

Formvorschriften

Neben den Formulierungen muss das Arbeitszeugnis auch besondere
Formerfordernisse erfüllen. Ein Arbeitszeugnis muss schriftlich in
Briefform erfolgen. Ein elektronisches Arbeitszeugnis ist ungültig.
Zudem muss das Zeugnis mit dem Briefkopf des Arbeitgebers versehen
und durch den Arbeitgeber unterschrieben werden.

Weiter muss das Arbeitszeugnis einen „ordentlichen“ Eindruck
erwecken. Das bedeutet, dass das Zeugnis frei von Flecken,
Zeichnungen oder Kommentaren sein muss. Es darf nicht den Eindruck
erwecken, dass der Arbeitgeber mehrfach darüber nachdenken musste,
wie er das Zeugnis formuliert. Dadurch könnte suggeriert werden, dass
der Arbeitgeber nicht wirklich hinter seinen Worten steht und die
Glaubwürdigkeit des Zeugnisses herabsetzen.

Gibt es ein Anrecht auf Korrektur?

Haben sich Fehler in das Zeugnis eingeschlichen, haben Sie einen
Anspruch auf Korrektur oder Neuverfassung des Zeugnisses. Sie sollten
immer die Daten und Formalia prüfen, sobald Sie ein Zeugnis erhalten.
Nicht selten kann sich ein Tippfehler oder ein Fehler beim
Beschäftigungszeitraum o.ä. einschleichen.

Auch wenn Sie der Auffassung sind, dass eine Abweichung von den
standardisierten Formulierungen vorgenommen wurde, können Sie
einen Anspruch auf Korrektur des Zeugnisses haben.

Die Bewertung der Arbeitsleistung ist nur schwer nachweisbar. Daher
sollten Sie sich anwaltlich beraten lassen, wenn Sie glauben, dass die
Bewertungen im Zeugnis ungerechtfertigt oder falsch sind.

Verjährung

Der Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses verjährt nach 3
Jahren. Die Frist beginnt zu laufen mit Ablauf des Jahres, in dem der
Anspruch entstanden ist. Sollten Sie folglich Ihren letzten Arbeitstag
am 30.09.2023 haben, beginnt die Verjährungsfrist am 01.01.2024 zu
laufen und endet am 31.12.2027.

Positive Arbeitszeugnisse sind wichtig, um sich beruflich
weiterentwickeln zu können. Nicht selten stellen vorherige

Arbeitszeugnisse den entscheidenden Faktor bei der An- oder
Ablehnung eines Bewerbers dar. Auf ein Arbeitszeugnis sollte daher
nicht leichtfertig verzichtet oder Fehler hingenommen werden.

Autor

Samantha ist Juristin mit den Schwerpunkten Zivilrecht und Vertragsgestaltung. Sie absolvierte ihr erstes Staatsexamen in Bonn, erwarb einen LL.M. in Internationaler Schiedsgerichtsbarkeit in Stockholm und sammelte mehrere Jahre Berufserfahrung im Energie- und Vertragsrecht. Als engagierte Autorin bringt sie juristische Themen aus Begeisterung auf den Punkt.

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