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Ruhestörung vor 22 Uhr – was müssen Sie dulden?

Müssen Sie eine Ruhestörung vor 22 Uhr dulden?
1. Mai 2024
  • Eine allgemeine gesetzlich vorgeschriebene Mittagsruhe gibt es nicht. Nur an Sonn- und Feiertagen müssen Ihre lauten Nachbarn ihren Lärm einstellen.
  • Allerdings kann Ihr Mietvertrag oder Ihre Hausordnung besondere Ruhezeiten vorsehen, an die Sie – und die anderen Mieter im Haus – sich halten müssen.
  • In diesen Zeiten sind Geräusche auf Zimmerlautstärke zu beschränken.

Die Nachtruhe ist den Deutschen heilig – den meisten zumindest. Aber wie sieht es eigentlich tagsüber aus? Natürlich werden werktags während der Tageszeit die meisten Arbeiten durchgeführt, die Lärm verursachen. Irgendwann muss dies schließlich möglich sein. Was ist jedoch, wenn Sie es sich gerade unter dem Sonnenschirm zum Mittagsschläfchen gemütlich gemacht haben und Ihr Nachbar nun beschließt, drei Stunden lang Rasen zu mähen, um auch jedes noch so kleine Grashälmchen zu erwischen? Gibt es Grenzen dessen, was Sie bei einer Ruhestörung vor 22 Uhr ertragen müssen? Und wie können Sie sich gegen die Übeltäter zur Wehr setzen?

Gesetzliche Ruhezeiten vor 22 Uhr – gibt es sie überhaupt?

Eine allgemeine gesetzliche Ruhezeit, die werktags in ganz Deutschland gilt, gibt es in dem Sinne nicht. Sie beginnt erst nachts – je nach Gesetz und Wohnort meist um 22 Uhr – und dauert bis morgens an (in der Regel 6 Uhr). Lediglich an Sonn- und Feiertagen müssen ganztägig laute Geräusche vermieden werden.

Trotzdem kann es sein, dass Ihre Nachbarn in bestimmten Zeiten – zum Beispiel mittags bzw. am frühen Nachmittag – den Bohrer oder die Trommel beiseite legen müssen. Denn die Bundesländer und Gemeinden können ihre eigenen Regelungen erlassen, die bestimmte Lärmquellen zeitlich beschränken.

Ruhe dank Mietvertrag oder Hausordnung

Eine viel wichtigere Quelle Ihrer Ruhe sind aber Hausordnungen und Mietverträge. Leben Sie nicht im Wohneigentum, sondern zur Miete, können Sie einmal einen Blick in Ihren Vertrag werfen. Hier haben Sie vielleicht unterschrieben, im Sinne des Hausfriedens in bestimmten Zeiten die Zimmerlautstärke zu wahren. Und wenn Sie dies unterzeichnet haben, haben dies auch die anderen Mietparteien im Haus getan, woran Sie sie nun festhalten können.

Existiert in Ihrem Mietvertrag keine entsprechende Klausel, gibt es wahrscheinlich eine Hausordnung. Hier schreibt der Vermieter – ebenfalls mit Wirkung für sämtliche Mieter im Haus – vor, dass zum Beispiel werktags zwischen 13 Uhr und 15 Uhr Ruhezeiten herrschen. Ist dies der Fall, müssen Sie und die anderen Parteien Ihren Lärm auf Zimmerlautstärke reduzieren. Laute Handwerkerarbeiten, das Spielen von Instrumenten, Tanzen auf hohen Schuhen und lautes Musikhören sind in diesen Phasen also tabu.

Wann liegt eine Ruhestörung vor 22 Uhr vor?

Wenn Ihre Nachbarn zu laut sind, sollten Sie also zunächst überprüfen, ob ihr Lärmen tatsächlich in eine (gesetzliche oder mietrechtliche) Ruhezeit fällt. Ist dies der Fall, sind sie zu laut, wenn Sie sie deutlich hören können. Denn dann überschreiten sie vermutlich die berühmte Zimmerlautstärke.

Zimmerlautstärke bedeutet, dass alles erlaubt ist, was außerhalb der eigenen Wohnung nicht zu hören ist. Leben Sie in einem sehr hellhörigen Altbau, müssen Sie mit Ihren lauten Nachbarn hier unter Umständen etwas geduldig sein. Denn Schrittgeräusche (ohne hohe Schuhe), Gespräche in normaler Lautstärke und Duschen können Sie sich auch dann nicht verbitten, wenn Sie vielleicht in der Nachbarwohnung davon etwas mitbekommen.

Ein Grenzfall ist zum Beispiel Staubsaugen. Besonders moderne Staubsauger sind mittlerweile so leise, dass sie außerhalb der eigenen Wohnung kaum zu hören sind, wenn die Fenster geschlossen werden. Deshalb können sie sogar während der Ruhezeiten genutzt werden, da sie die Zimmerlautstärke nicht übersteigen.

Autor

Lisa hat Jura studiert und ist seit ihrem ersten Examen neben ihrem Master of Laws (LL.M.) als freiberufliche Autorin tätig. Schon seit Jahren schreibt sie juristische Beiträge für verschiedene Blogs, Kanzleien und Unternehmen.

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