Altersvorsorge
  • 03.04.2018
Zusammenfassung:
  • Anleger, die bei P&R Container gekauft haben, müssen mit hohen Verlusten rechnen.
  • Anleger, die bei P&R Container gekauft haben, müssen mit hohen Verlusten rechnen.
  • Gute Chancen haben Investoren, die in den letzten 10 Jahren über einen Anlageberater gekauft haben.

Anlage-Skandal: Insolvenz von P&R Container

Altersvorsorge
  • Robert Metz
  • 03.04.2018
Zusammenfassung:
  • Anleger, die bei P&R Container gekauft haben, müssen mit hohen Verlusten rechnen.
  • Anleger, die bei P&R Container gekauft haben, müssen mit hohen Verlusten rechnen.
  • Gute Chancen haben Investoren, die in den letzten 10 Jahren über einen Anlageberater gekauft haben.

Die Mieten und Preise für Seefracht-Container sind in den letzten Jahren gesunken. Das hat P&R jetzt in die Insolvenz getrieben.

Was ist bei P&R passiert?

Die P & R-Gruppe hat seit Jahrzehnten Geld bei Anlegern eingesammelt. Damit wurden Schiffsfracht-Container gekauft und diese wurden dann vermietet, beispielsweise an Speditionen. Zuletzt häuften sich bei P&R aber die Probleme: In den letzten Jahren hat die P&R-Gruppe offenbar weniger Miete eingenommen als sie an die Anleger auszahlen musste. Laut Aussagen des vorläufigen Insolvenzverwalters verdichten sich die Hinweise, dass P&R trotz der gesunkenen Weltmarktpreise im großen Stil Container verkauft hat, um damit seine Mietzahlungen zu decken. Damit besteht der Verdacht, dass es sich zumindest in den letzten Jahren um ein Schneeballsystem gehandelt haben könnte. Infolgedessen haben mehrere P&R-Gesellschaften im März 2018 Insolvenz angemeldet. Es könnte der bisher größte Anlageskandal in Deutschland werden.

Wo liegen die Gefahren für Container-Investoren?

Offenbar gibt es bei Seefracht-Containern schon seit Jahren Überkapazitäten. Die Folge ist, dass sowohl die Mieten als auch die Wiederverkaufspreise deutlich niedriger liegen als prognostiziert. Selbst wenn das operative Geschäft weitergeführt werden kann, müssen die Anleger daher mit hohen Verlusten rechnen.Wenn die Container nicht vermietet werden, könnten die Anleger im schlimmsten Fall sogar nachschusspflichtig werden, beispielsweise wenn ihre Container nicht genutzt werden und daher Lagerkosten oder Standgebühren anfallen.

Hinzu kommt ein Problem, das auch bei der vorherigen Magellan-Pleite ein Thema war: Kann ein Investor das Eigentum an einem bestimmten Container nachweisen? Offenbar geht bei P&R aus den Unterlagen der Kunden nicht hervor, welche Container ihnen konkret gehören. Dazu hätten sie nämlich extra ein Zertifikat über das Eigentum an dem Container fordern müssen – was aber die meisten wohl nicht getan haben. Das kann es schwierig machen, seine Rechte durchzusetzen, beispielsweise indem man die Herausgabe der eigenen Container verlangt. Ein Trostpflaster dabei: Hafenbetreiber werden es in diesem Fall ebenfalls schwer haben, von einzelnen Investoren Standgebühren zu fordern.

Problematisch könnte die Eigentumsfrage bei P&R-Containern auch aus steuerlicher Sicht sein: Die Anleger haben i.d.R. Abschreibungen auf ihre Container in der Steuererklärung geltend gemacht. Das setzt aber voraus, dass die Investoren auch Eigentümer waren. Schlimmstenfalls könnten Nachzahlungen drohen.

Wie bekommen Container-Investoren von P&R ihr Geld zurück?

Zum einen können die Container-Investoren das Insolvenzverfahren von P&R abwarten. Der Insolvenzverwalter wird voraussichtlich versuchen, die Seefracht-Container weiter zu vermieten bis er einen Käufer dafür gefunden hat. Die Erlöse – abzüglich der anfallenden Kosten – werden dann ausgeschüttet. Hinzu kommen ggf. Schadensersatzforderungen gegenüber dem Management. Diese kann der Insolvenzverwalter beispielsweise geltend machen, wenn sich der Verdacht auf Insolvenzverschleppung erhärten sollte. Anwälte sind bei der Magellan-Insolvenz davon ausgegangen, dass die Anleger – inklusive bereits bezahlter Mieten – auf diesem Weg etwa 25-35% ihrer Investitionen zurückbekommen haben. Das ist deutlich mehr als bei vielen anderen Pleiten auf dem grauen Kapitalmarkt, aber eben nur ein Bruchteil dessen, was die Investoren eingezahlt haben.

Dabei haben die Anleger gleich mehrere Ansprüche, die sie auch einzeln gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend machen müssen:

  • Schuldrechtliche Forderungen: Hierzu gehören die ausstehenden Mieten und auch die zukünftigen Mietzahlungen, sofern der Insolvenzverwalter die Mietverträge nicht kündigt.
  • Schadensersatzforderungen: Hier kommen z.B. Ansprüche aus Prospekthaftung infrage.
  • Aussonderungsrecht: Sofern die Anleger nachweisen können, welche Container ihnen konkret gehören, können sie entweder die Herausgabe der Container oder die mit ihnen erzielten Mieteinnahmen verlangen.

Diese Forderungen müssen ggf. in verschiedenen Insolvenzverfahren (und teilweise auch außerhalb der Insolvenzverfahren) angemeldet werden, da die P&R-Gruppe aus verschiedenen Unternehmen besteht.

Zum anderen können die Anleger auch versuchen, ihre Anlageberater bzw. Vermittler zu verklagen. Die Anlageberater hätten nämlich:

  • erkennen müssen, dass gar nicht ersichtlich war, welche Container konkret gekauft wurden bzw. gegen welche Container diese ggf. ausgetauscht wurden. Der Anlageberater hätte darauf hinweisen müssen, dass die Investoren von P&R ein Zertifikat über das Eigentum an den Containern anfordern müssen.
  • darüber aufklären müssen, dass bei einer negativen Entwicklung auf dem Containermarkt Verluste bis hin zum Totalverlust und schlimmstenfalls eine Nachschusspflicht drohen. Außerdem kann es sein, dass die Finanzvertriebe bewusst Risiken verharmlost haben.
  • wissen müssen, dass P&R bereits seit einiger Zeit in eine Schieflage geraten war. Negative Presseberichte gab es schon seit längerem.

Der Vorteil einer Klage gegen die Anlageberater ist, dass diese i.d.R. eine Haftpflichtversicherung haben – und bei Versicherung ist voraussichtlich mehr zu holen als bei P&R.

Ich habe in den letzten 10 Jahren Container über einen Anlageberater gekauft und möchte eine kostenlose Ersteinschätzung.

Darüber hinaus können die Anleger möglicherweise auch Schadensersatz von Vorständen, Aufsichtsräten und Geschäftsführern der P&R-Gruppe fordern, beispielsweise wenn diesen eine Insolvenzverschleppung oder Betrug nachgewiesen werden kann.

Droht bei P&R Containern Verjährung?

Grundsätzlich sollten sich Anleger möglichst schnell beim Insolvenzverwalter melden, um die Forderungen zur Insolvenz anzumelden. Fristen sind uns hier aber noch nicht bekannt.

Für Anleger, die ihren Finanzvermittler verklagen wollen, gilt außerdem eine Verjährungsfrist von 10 Jahren. Diese beginnt mit dem Abschluss des Vertrags über den Kauf von Containern bei P&R. Für die Anleger von P&R Containern ist das ein Problem: Viele haben ihre ersten Container schon vor Jahren gekauft und dann direkt beim Anbieter (also ohne Vermittler) weitere Folgeinvestitionen getätigt.

Weitere Informationen finden Sie auch bei der Anleger-Allianz Geschädigte der P&R-Gruppe, zu der Sie sich hier anmelden können.

Kommentare: 3

Anzeigen:
paul martin 08:5127.04.2018

Offenbar haben die Container gekauft aber in der Schweiz nicht bezahlt.Die Verwaltungs und Vertriebsgesellschaft schuldet der Transport GMBH 320 Mio.Diese wiederrum der Schweitzer Gesellschaft 320 Mio.400 Mio wurden eingesammelt und gleich 320 Mio in die marode Alt Gesellschaft gesteckt.Klassisches Schneeball System.Spannend bleibt,wie viele von den angeblich 1,25 Mio Containern überhaupt existieren.

Antworten

Schreiben Sie eine Antwort oder Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Rechtecheck 08:1809.04.2018

a) Offenbar zahlt P&R schon seit Jahren mehr Mieten aus als die Firma einnimmt. b) Die Containerpreise (Kauf und Miete) sind auf den Weltmärkten aktuell sehr niedrig. Das hat u.a. auch zur Magellan-Pleite geführt. c) P&R hat Insolvenz angemeldet. So gut kann es ihnen nicht gehen.

Antworten

Schreiben Sie eine Antwort oder Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Gerhard Kotitschke 06:4305.04.2018

P&R teilt in einem Rundschreiben vom 5. Februar 2018 mit, dass die Gesellschaft mit dem erzielten Gesamtvolumen in Höhe von 440 Mio Euro im vergangenen Jahr sehr zufrieden ist. Für 2018 liegen bereits in nahezu allen Kategorien erfreuliche bis sehr gute Marktdaten und Prognosen für den Frachtcontainermarkt vor. Containerpreise sind weiterhin sehr hoch!!! Das schein doch alles verstunken und verlogen zu sein!!!

Antworten

Schreiben Sie eine Antwort oder Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Anzeige

Markus Klamert

Ähnliche Artikel:

Alle wichtigen Informationen, neuesten Regelungen sowie Urteile zum Thema Geld, Kreditrecht, Geldanlage, Geldkredite, Altersvorsorge, Schuldrecht, Steuern und Versicherungsrecht. Weitere Informationen finden Sie in unserem Rechts-Forum zu Geld und Finanzen.

Alle wichtigen Informationen, neuesten Regelungen sowie Urteile zum Thema Geld, Kreditrecht, Geldanlage, Geldkredite, Altersvorsorge, Schuldrecht, Steuern und Versicherungsrecht. Weitere Informationen finden Sie in unserem Rechts-Forum zu Geld und Finanzen.

zum Thema „Geld“:

53 Artikel

Fürsorge

Was ist ein Berliner Testament? Bei dem so genannten „Berliner Testament“ setzen sich die zwei…

Kreditrecht

Meist befinden sich Kreditnehmer ohnehin in einer schwierigen Situation, wenn sie einen Kredit vorzeitig kündigen…

Geld :

  • 53 Artikel

Alle wichtigen Informationen, neuesten Regelungen sowie Urteile zum Thema Geld, Kreditrecht, Geldanlage, Geldkredite, Altersvorsorge, Schuldrecht, Steuern und Versicherungsrecht. Weitere Informationen finden Sie in unserem Rechts-Forum zu Geld und Finanzen.

zum Thema „Familie“:

53 Artikel

Fürsorge

Was ist ein Berliner Testament? Bei dem so genannten „Berliner Testament“ setzen sich die zwei…

Fürsorge

Was ist ein Berliner Testament? Bei dem so genannten „Berliner Testament“ setzen sich die zwei…

Kreditrecht

Meist befinden sich Kreditnehmer ohnehin in einer schwierigen Situation, wenn sie einen Kredit vorzeitig kündigen…

Geld

Keine Reise ohne Auslandskrankenversicherung! Urlaub und Reisen verbindet man in erster Linie mit Spaß, guter…

Kreditrecht

Fehlerhafte Widerrufsbelehrung bei Darlehen Ein Verbraucher, der nicht ausreichend über das ihm zustehende Widerrufsrecht informiert…

Verjährung: Fristen im Abgasskandal bei VW und anderen Herstellern
Kreditrecht

Immer noch wollen viele betrogene Dieselfahrer gegen VW oder andere Hersteller vorgehen, beispielsweise, weil ihr…

Servicecenter

Die GDVI Verbraucherhilfe setzt sich für Sie in vielen Bereichen ein. Wir bieten Ihnen viele hilfreiche Services an, damit Sie an Ihr gutes Recht kommen.

Anlageberater wegen P&R verklagen?

    Kompetent

    Sicher

    kostenlos

Wir vermitteln Verbrauchern den Kontakt zu einem Anwalt, der Ihnen eine Ersteinschätzung Ihres Falls gibt – kostenlos und unverbindlich.

Anzeige