Im Interview mit Herrn Dr. Fabian Masurat

Dr. Fabian Masurat ist Fachanwalt für Informationstechnologierecht und Mitglied der Praxisgruppe Technology, Media & Telecoms. Seine Beratungsschwerpunkte liegen im Datenschutz-, IT-Vertrags- und Glückspielrecht. Zudem ist Fabian Masurat zertifizierter Geldwäschebeauftragter, zertifiziert als Certified Information Privacy Professional/Europe (CIPP/E) und Dozent an der Hochschule FOM im Bereich IT-Recht und Compliance.
Rechtecheck: Mit welchen Fällen kommen Mandanten häufig zu Ihnen?
Mandanten beschäftigt häufig eine Vielzahl von Anliegen im IT-Recht, wobei e gesamte Bandbreite der digitalen Rechtsfragen abgedeckt wird. Typische Fälle umfassen etwa Datenschutz/DSGVO-Compliance, IT-Verträge und AGB-Erstellung, E-Commerce und Plattformrecht, Rechtliche Konflikte im IT-Bereich sowie Cybersecurity und Haftung.
Mein Ziel ist es, Mandanten in diesen komplexen Fragestellungen umfassend zu beraten und praxisorientierte Lösungen zu bieten.
Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Fehler, bevor sie einen Rechtsanwalt kontaktieren?
Zu den häufigsten Fehler zählen:
1. Späte Rechtsberatung: Viele Mandanten ziehen erst dann einen Anwalt hinzu, wenn bereits Probleme aufgetreten sind – beispielsweise bei Streitigkeiten über IT-Verträge oder Datenschutzverletzungen. Eine frühzeitige Beratung kann oft kostspielige und langwierige Konflikte verhindern.
2. Unzureichende Vertragsgestaltung: Ein häufiger Fehler ist die Verwendung ungeeigneter Standardverträge oder unklarer Vereinbarungen. Gerade im IT-Bereich sind individuell zugeschnittene Verträge entscheidend, um rechtliche Risiken klar zu regeln und spätere Streitigkeiten zu vermeiden.
3. Fehlende oder unvollständige Datenschutzmaßnahmen: Mandanten unterschätzen oft die Anforderungen der DSGVO oder versäumen es, interne Prozesse und Dokumentationen rechtzeitig umzusetzen, um die Datenschutzanforderungen zu erfüllen.
4. Vermeidung rechtlicher Prüfungen neuer Technologien: Unternehmen setzen innovative Technologien wie KI oder Cloud-Lösungen ein, ohne die rechtlichen Konsequenzen – etwa in Bezug auf Haftung, Datenschutz oder Lizenzierung – ausreichend zu prüfen.
5. Unterschätzung von Haftungsrisiken: Gerade bei IT-Projekten kommt es häufig zu Missverständnissen über Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen, wenn diese nicht frühzeitig vertraglich geregelt werden.
Mein Tipp: In vielen Fällen spart eine präventive Rechtsberatung Zeit, Geld und rechtliche Komplikationen. Frühzeitig Klarheit zu schaffen, stärkt die Position des Mandanten und sorgt für dauerhafte Rechtssicherheit.
… von Kollege/in zu Kollege/in
Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach, die wichtigsten Faktoren, um eine erfolgreiche Kanzlei zu führen?
Eine erfolgreiche Kanzlei vereint fachliche Exzellenz, unternehmerisches Denken und eine konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse ihrer Mandanten. Entscheidend sind dabei Kriterien wie Mandantenorientierung und exzellenter Service, fachliche Spezialisierung, eine effiziente Kanzleiorganisation, gezielte Mitarbeiterentwicklung, effektives Networking und Marketing sowie unternehmerisches Denken und Anpassungsfähigkeit.
Rechtecheck: Wie schätzen Sie den Einflussfaktor einer Google-Bewertung bei der Mandantengewinnung und des Mandantenvertrauens ein?
Google-Bewertungen sind ein entscheidender Faktor bei der Mandantengewinnung. Sie verbessern die Sichtbarkeit, schaffen Vertrauen durch soziale Bestätigung und bieten potenziellen Mandanten einen ersten Eindruck.
Rechtecheck: Was empfehlen Sie jungen Kollegen, die sich auf Ihrem Rechtsgebiet fortbilden möchten oder sich mit einer Kanzlei selbständig machen wollen?
Jungen Kolleginnen und Kollegen empfehle ich, sich frühzeitig auf ein Rechtsgebiet zu spezialisieren und kontinuierlich Fortbildungen zu absolvieren. Zudem ist der Aufbau eines starken Netzwerks entscheidend, ebenso wie die Offenheit für den Einsatz von Legal-Tech-Lösungen. Praxisnähe, Engagement und der kontinuierliche Wille zur Weiterentwicklung sind entscheidende Faktoren.
Rechtecheck: Was halten Sie von KI-Technologien und nutzen Sie diese bereits?
KI-Technologien bieten großes Potenzial, um den Kanzleialltag effizienter zu gestalten, insbesondere bei der Automatisierung repetitiver Aufgaben. In unserer Kanzlei nutzen wir bereits KI-gestützte Tools zur Analyse von Dokumenten und zur Vertragsprüfung. Diese Technologien ermöglichen es uns, Prozesse zu beschleunigen, den manuellen Aufwand zu reduzieren und die Kosten für die Mandanten gering zu halten..
Trotz der vielen Vorteile bleibt KI jedoch eine Ergänzung, kein Ersatz für juristische Expertise. Das juristische Urteilsvermögen und die individuelle Beratung der Mandanten sind und bleiben unverzichtbar. In Zukunft wird KI, insbesondere im Bereich Legal Analytics eine noch wichtigere Rolle spielen.
Rechtecheck: Viele sprechen von Digitalisierung und Transformation. Inwieweit ist dies im Kanzleialltag umgesetzt? Sind Sie bereits komplett digital aufgestellt? Was sind Ihrer Meinung hierbei die größten Herausforderungen? Haben Sie Tipps an Ihre Marktbegleiter, wie man dies verbessern könnte?
Die Digitalisierung hat den Kanzleialltag grundlegend verändert und ist heute unverzichtbar. Unsere Kanzlei hat den Großteil der Prozesse bereits erfolgreich digitalisiert. Wir arbeiten nahezu vollständig papierlos und nutzen eine Kanzleisoftware für digitale Aktenführung, Dokumentenmanagement und Fristenkontrolle.
Bei der Einführung neuer Technologien ist die Sicherstellung von Datensicherheit und DSGVO-Konformität unerlässlich, um sensible Mandantendaten zu schützen. Die Auswahl und Integration geeigneter Legal-Tech-Lösungen erfordert eine sorgfältige Planung und kontinuierliche Weiterentwicklung. Ein besonderer Fokus sollte auf IT-Sicherheit liegen, einschließlich Verschlüsselung, Backup-Systemen und regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen. Zudem sind kontinuierliche Fortbildungen entscheidend, um stets auf dem neuesten Stand der Entwicklungen zu bleiben.




