Im Interview mit Herrn Christian Bullert

Christian Bullert, Rechtsanwalt, Standorte München und Neuburg a.d. Donau; spezialisierte Kanzlei für Arbeitsrecht sowie Handels- und Gesellschaftsrecht; Dozent für Arbeits- und Tarifrecht an der Bayerischen Verwaltungsschule; Motivation: Anwälte sind wichtige Teile der Rechtsordnung, diese aufrecht zu halten und Menschen durch rechtlichen Rat und anwaltliche Tat weiterzubringen ist meine Motivation
Rechtecheck: Mit welchen Fällen kommen Mandanten häufig zu Ihnen?
ganz unterschiedlich:
- Erstkontakt mit akutem Problem als Arbeitnehmer/Arbeitgeber, hier meistens Kündigungen/Fehlverhalten
- laufende Beratungsmandate mit Arbeitgebern, meistens Unternehmen, in Personalsachen
- allg. Fragestellungen im Arbeitsrecht (Wie habe ich mich zu verhalten? oder Wie sind hier unsere Möglichkeiten?)
- Vertragsprüfung und Vertragsgestaltung von Arbeitsverträgen bei Unternehmensgründung oder im laufenden Betrieb, bei Jobwechsel (prüfen von Klauseln o.ä.) etc.
- Auflösung/Beendigung von belasteten Arbeitsverhältnissen
- gerichtliche Vertretung bei Klageverfahren
- Beratung und Bereitstellung von gesellschaftsrechtlichen Verträgen für Gesellschaften, Geschäftsführer, Geschäftsordnungen, Gehaltsvereinbarungen, Beschlussvorlagen, Kapitalerhöhungen, Gesellschafter- und/oder Geschäftsführerwechsel, Anteilsverkäufe, Umfirmierungen usw.
Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Fehler, bevor sie einen Rechtsanwalt kontaktieren?
- Googlen
- kostengünstige Ratschläge von Fachfremden „Experten“ befolgen (z.B. guter Freund, Versicherungsmakler etc.)
- (dadurch) Halbwissen umsetzen und die Sach-/Rechtslage durch eigenes Tun verschlechtern
- an der falschen Stelle knausern – das kann im Ernstfall um ein Vielfaches teurer werden
… von Kollege/in zu Kollege/in
Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach, die wichtigsten Faktoren, um eine erfolgreiche Kanzlei zu führen?
- Wissen und Wollen – beides muss in gleichem und in hohem Maß vorhanden sein
- Kompetent sein und auftreten, trotzdem die Sprache der Mandanten sprechen
- Professionalität im Umgang mit Mandanten, Personal als auch mit dem Gegner und mit Gerichten
- erfolgreich sein ohne gezielte Akquise ist nach meiner Überzeugung nicht möglich
Rechtecheck: Wie schätzen Sie den Einflussfaktor einer Google-Bewertung bei der Mandantengewinnung und des Mandantenvertrauens ein?
Bei Mandanten, die über Internetsuche auf die Kanzlei aufmerksam werden, schätze ich die Google-Bewertung als sehr ausschlaggebend ein, obschon ich weiß, dass die Bewertungen zu differenzieren sind: nicht jede gute Bewertung ist eine echte Bewertung eines echten Kunden/Mandanten, nicht jede schlechte Bewertung sagt etwas über die Qualität der Leistung des Dienstleisters/Anwaltes aus (der aus welchen Gründen auch immer Unzufriedene lässt seinen Dampf eher ab als der sehr zufriedene Mandant), UND: der Mandant kann in der Regel die Qualität der Leistung gar nicht einschätzen, weil er meist nur das Ergebnis bewertet (Beispiel: wenn ein Arbeitgeber eine mündliche/anderweitig unwirksame Kündigung ausspricht, oder seinen Betriebsrat nicht ordentlich anhört, wird er einen Kündigungsrechtsstreit mit einem Arbeitnehmer wahrscheinlich verlieren oder eine höhere Abfindung zahlen müssen, da kann auch der beste Anwalt nicht viel retten).
Fazit: Eine gute Google-Bewertung ist ein großes Plus, um Eindruck bei den Kunden zu erzeugen, das ist aber keine Garantie dafür, dass es für jeden genauso gut abläuft.
Rechtecheck: Was empfehlen Sie jungen Kollegen, die sich auf Ihrem Rechtsgebiet fortbilden möchten oder sich mit einer Kanzlei selbständig machen wollen?
Es sich nicht in der Komfortzone bequem machen, die Konkurrenz ist groß. Nur ein Schild raushängen, wird nicht sonderlich gut funktionieren.
Die besten und wichtigsten Erfahrungen habe ich außerhalb der Kanzleiräume gemacht.
Wer sich selbständig machen möchte, sollte sich das vorher gut überlegen, nach meiner Überzeugung sind sehr viele nicht für die Selbständigkeit gemacht.
Rechtecheck: Was halten Sie von KI-Technologien und nutzen Sie diese bereits?
spannend, und sicherlich auch in der Juristerei – mit Einschränkungen – einsetzbar
ich nutze KI z.B. in geringem Umfang für Strukturierung und Zusammenstellung von Inhalten
Rechtecheck: Viele sprechen von Digitalisierung und Transformation. Inwieweit ist dies im Kanzleialltag umgesetzt? Sind Sie bereits komplett digital aufgestellt? Was sind Ihrer Meinung hierbei die größten Herausforderungen? Haben Sie Tipps an Ihre Marktbegleiter, wie man dies verbessern könnte?
Als ich mich mit einem Studienkollegen im Jahr 2011 selbständig gemacht habe, wollten wir schon damals ein komplett papierloses Büro, heißt wir haben die gesamte eingehende Post eingescannt und ein Ablagesystem eingerichtet, quasi ein Vorläufer der heutigen Digitalakte. Das wurde jahrelang weitgehend kompromittiert von Deutschlands Liebe zum Papier, und dass Behörden die Digitalisierung gar nicht auf dem Schirm hatten, gar abgelehnt haben. Aber es wird (siehe beA, heute kann ich eine Klage digital einreichen), und ich fühle mich bestätigt, dass wir damals den richtigen Weg gegangen sind. Früher ist man auch noch mit dicken Ordnern ins Gericht gerannt, hat hektisch geblättert im Termin, heute hat man sein Laptop/Notebook/Tablet unter dem Arm. Das wirkt nicht nur professionell. Es erleichtert auch den Umgang mit der Mandantschaft und die schnelle Übermittlung von Dateien und Informationen.
Früher war die Akzeptanz der Digitalisierung eine große Herausforderung (wenige Privatleute hatten z. B. ein Fax oder die Möglichkeit, etwas zu scannen und zu verschicken), heute ist es aus anwaltlicher Sicht m. E. der Datenschutz, aber das ist handlebar. Digitale Schnittstellen, vielleicht eine eigene kanzleispezifische App-Lösung, das wäre nicht mehr unbedingt revolutionär.
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