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Im Interview mit Frau Rechtsanwältin Hannah Funke

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1. Oktober 2024

Unsere Kanzlei ist spezialisiert auf den Fachbereich des Strafrechts, genauer gesagt auf Sexualdelikte und Gewaltdelikte. Wir sitzen in Dortmund und sind bundesweit tätig. Im Bereich der Strafverteidigung betreuen wir Beschuldigte in Strafverfahren. Im Bereich der Opfer- und Hinterbliebenenvertretung kümmern wir uns um Opfer und Hinterbliebene, die in einen Strafprozess verwickelt wurden.

Als Rechtsanwältin möchte ich meinen Mandanten durch schwere Zeiten helfen. Es kann nie versprochen werden, dass ein Fall gewonnen werden kann. Aber wir können mit unseren Mandanten gemeinsam kämpfen.


Rechtecheck: Mit welchen Fällen kommen Mandanten häufig zu Ihnen?

Die häufigsten Fälle umfassen im Bereich der Sexualdelikte die Vergewaltigung, den Kindesmissbrauch und die Kinderpornographie. Im Bereich der Gewaltdelikte sind es am häufigsten die gefährlichen Körperverletzungen.

Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Fehler, bevor sie einen Rechtsanwalt kontaktieren?

In Bezug auf Strafverfahren sind die häufigsten Fehler, dass sich Mandanten selbst überschätzen und ohne vorherige Fallanalyse und Beratung eine Aussage vor der Polizei machen.
In Bezug auf eine Mandatierung ist das größte Problem entweder der sehr späte Zeitpunkt im Verfahren oder dass die Mandanten die Folgen des negativen Verfahrensausgangs unterschätzen.
Manche Arten von Mandanten haben gelegentlich Probleme, Anwälten und deren Strategien zu vertrauen, Daher ist hier oftmals der große Fehler, als Mandant mit einer eigenen Strategie in ein Mandat zu gehen ohne am Ende offen für eine (gut begründete und nicht selten deutlich bessere) Alternative zu sein.


… von Kollege/in zu Kollege/in


Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Faktoren, um eine erfolgreiche Kanzlei zu führen?

In Bezug auf die Mandantschaft: der Kontakt auf Augenhöhe, Erreichbarkeit, Respekt und Wertschätzung, Vertrauen
In Bezug auf wirtschaftliche Unternehmensführung: Spezialisierung, Nischenexpertise, Charisma

Rechtecheck: Wie schätzen Sie den Einflussfaktor einer Google-Bewertung bei der Mandantengewinnung und des Mandantenvertrauens ein?

Das kommt stark darauf an, welche Kanäle man in der Mandantenakquise stärkt oder stärken möchte. Wenn man sich präsent und digital aufstellt, sind Rezensionen für potentielle Mandanten gute Überprüfungsindikatoren für Expertise und Authentizität. Wenn man sich dagegen ausschließlich analog aufstellt und quasi nur durch Empfehlungen im „realen“ Leben Mandanten akquiriert, sind Bewertungen vermutlich maximal unerheblich.

Am Ende kann es sich empfehlen, Mandantenakquise auf unterschiedliche Kanäle zu stützen und nicht nur das eine oder das andere zu machen. Ich persönlich freue mich über jede Bewertung, da es für Interessenten gerade in diesem Bereich sonst oft schwierig einzuschätzen ist, wer tatsächlich gute Arbeit leistet und wer nicht. Ich kann aber auch nachvollziehen, wenn der Großteil der Mandanten nicht offenbaren mag, dass sich strafrechtliche Hilfe eingeholt wurde.

Rechtecheck: Was empfehlen Sie jungen Kollegen, die sich auf Ihrem Rechtsgebiet fortbilden möchten oder sich mit einer Kanzlei selbständig machen wollen?

Ich empfehle jungen Kolleginnen und Kollegen, sich zu entscheiden, ob sie sich spezialisieren oder generalisieren möchten. Beide Richtungen haben Vor- und Nachteile. Unabhängig davon sollte sich damit auseinandergesetzt werden, wer die eigene Zielgruppe ist und wer sie sein sollte. Zudem sollten sich junge Kolleginnen und Kollegen klar darüber sein, welche Vor- und Nachteile das Konzept der Selbständigkeit an sich mit sich bringt und wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen.
Ich wünsche allen jungen Kolleginnen und Kollegen nur das beste und freue mich, Sie ggf. mal im Gericht zu treffen. Bei konkreten Fragen habe ich gerne ein offenes Ohr – Ich ermutige Sie, mit Menschen in Kontakt zu treten, deren Meinung Sie interessiert.

Rechtecheck: Was halten Sie von KI-Technologien und nutzen Sie diese bereits?

Für den juristischen Bereich fehlt es noch erheblich an inhaltlicher Korrektheit. Man darf aber gespannt sein, welche Entwicklungen uns hier noch erwarten. Gerade rechercheintensive Bereiche könnten im Laufe der Jahre stark entlastet werden.

Kluge Menschen sagten: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ – das kann perspektivisch gerade auf diesen Entwicklungsbereich nochmal ganz besonders zutreffen.

Rechtecheck: Viele sprechen von Digitalisierung und Transformation. Inwieweit ist dies im Kanzleialltag umgesetzt? Sind Sie bereits komplett digital aufgestellt? Was sind Ihrer Meinung hierbei die größten Herausforderungen? Haben Sie Tipps an Ihre Marktbegleiter, wie man dies verbessern könnte?

Wir sind komplett digital aufgestellt – soweit dies im Umgang mit Gerichten, Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften derzeit möglich ist. Wir freuen uns tatsächlich auf die E-Akte in den Behörden, auch wenn dies für die Übergangszeit vermutlich auf große technische Herausforderungen stoßen wird. Am Amtsgericht bei uns in Dortmund werden manche Beweismittel noch zwingend über die VHS Kassette eingeführt. Die größte Herausforderung ist also die Schnittstelle zur Justiz. Und die Bereitschaft auf allen Seiten, mit der Zeit zu gehen.


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