Im Interview mit Frau Mandy Rüttershoff-Hahn

Seit mehr als 20 Jahren bin ich als Rechtsanwältin insbesondere auf dem Gebiet des Agrarrechts und des Erbrechts tätig und habe hier auch meine Fachanwaltszulassungen erlangt. Das Agrarrecht stellt eine echte Nische in der anwaltlichen Beratung dar, beinhaltet es doch eine enorme Bandbreite an fachübergreifenden Problemstellungen, deren Lösung nicht nur Kenntnisse für landwirtschaftliche Betriebsabläufe und Themen voraussetzen, sondern auch die Fähigkeit erfordern, den Mandanten und den Menschen dahinter zu verstehen. Insbesondere der Kontakt zu den Mandanten und deren Dankbarkeit für eine gute Beratung oder einen gewonnenen Prozess ist das, was mich jeden Tag auf´s Neue motiviert.
Rechtecheck: Mit welchen Fällen kommen Mandanten häufig zu Ihnen?
Ich berate Privatpersonen, Unternehmen sowie Kommunen in allen relevanten Bereichen meiner Schwerpunkte. Sei es im Pachtrecht, bei Fragen zu Leitungsrechten, der Gestaltungen von Gesellschaftsverträgen oder einfach nur zur Beratung über das Aufsetzen eines Testaments. Eine besondere Expertise weise ich im Bereich des Energierechts bei der Erstellung und Prüfung von Nutzungsverträgen für Wind- oder PV-Freiflächenanlagen, sowie im landwirtschaftlichen Erbrecht bei der Begleitung von Hofübergaben nach der Höfeordnung oder von allgemeinen Betriebsübergaben auf.
Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Fehler, bevor sie einen Rechtsanwalt kontaktieren?
Viele Mandanten suchen einen Anwalt, ohne auf die für ihren Fall notwendige Spezialisierung zu achten. Häufig sind ihnen alle Fachanwaltsgebiete gar nicht bekannt oder sie lassen sich durch einen guten Internetauftritt von den wesentlichen Fakten ablenken. Ich empfehle hier neben einer sicher auch wichtigen Außendarstellung, zusätzlich auf Bewertungen, Referenzen und den Ruf in der Branche zu achten.
Weiterhin sollten Mandanten sich bei der Wahl eines Anwalts nicht von „günstigen“ Kosten leiten lassen. Der günstigste Anwalt ist nicht immer der beste, den ein erfahrener, teurerer Anwalt kann oft effektiver und effizienter arbeiten.
Keine klare Kommunikation: Viele Mandanten versäumen es, ihre Erwartungen, Ziele und ihr Budget klar zu kommunizieren. Dies kann zu Missverständnissen, falschen Erwartungen und Unzufriedenheit führen. Eine klare Kommunikation von Anfang an ist entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Keine Fragen stellen: Manche Mandanten fühlen sich unsicher oder eingeschüchtert und scheuen sich daher, wichtige Fragen zu stellen. Es ist jedoch wichtig, Fragen zur Erfahrung, Strategie, Kosten und Erfolgsaussichten des Anwalts zu stellen, um sicherzustellen, dass man den richtigen Partner auswählt.
Zu hohe Erwartungen: Einige Mandanten erwarten sofortige Erfolge oder glauben, dass ein Anwalt „alles regeln“ kann. Realistische Erwartungen und ein Verständnis dafür, dass rechtliche Prozesse oft Zeit und Geduld erfordern, sind wichtig.
… von Kollege/in zu Kollege/in
Rechtecheck: Was sind Ihrer Meinung nach, die wichtigsten Faktoren, um eine erfolgreiche Kanzlei zu führen?
Eine erfolgreiche Kanzlei zu führen erfordert mehr als nur juristische Expertise. Es geht darum, eine solide Geschäftsstrategie, einen mandantenorientierten Ansatz und eine effiziente Organisation zu kombinieren. An erster Stelle steht für mich eine langfristige Mandantenbindung. Mandanten schätzen Transparenz und klare Kommunikation. Ein guter Service, der über das rein Juristische hinausgeht, ist essenziell. Dazu gehören Freundlichkeit, Erreichbarkeit und die Bereitschaft, auf individuelle Anliegen der Mandanten einzugehen.
Rechtecheck: Wie schätzen Sie den Einflussfaktor einer Google-Bewertung bei der Mandantengewinnung und des Mandantenvertrauens ein?
Für viele Mandanten ist die Google-Suche der erste Schritt, um nach einem Anwalt zu suchen. Eine professionelle und auffindbare Online-Präsenz entscheidet oft über den ersten Eindruck und darüber, ob der Mandant Kontakt aufnimmt. Für meine Kanzlei ist dies nicht mehr so entscheidend, da ich bereits über einen langjährigen Mandantenstamm verfüge und wenig auf Neumandate angewiesen bin.
Rechtecheck: Was empfehlen Sie jungen Kollegen, die sich auf Ihrem Rechtsgebiet fortbilden möchten oder sich mit einer Kanzlei selbständig machen wollen?
Die Gründung einer eigenen Kanzlei ist ein spannendes, aber auch anspruchsvolles Vorhaben. Sie erfordert sorgfältige Planung und Vorbereitung in verschiedenen Bereichen, um den langfristigen Erfolg der Kanzlei zu sichern. Sofern man sich schnell spezialisieren und einen Fachanwaltstitel erlangen möchte, sollte man von Beginn auf die hierfür erforderlichen Voraussetzungen achten. Es macht keinen Sinn, Fachanwalt für Agrarrecht werden zu wollen, wenn man in einer Großstadt wie Hamburg lebt und arbeitet. Zudem sollte man mit landwirtschaftlichen Themen bereits Berührungspunkte haben oder sich zumindest dafür interessieren.
Rechtecheck: Was halten Sie von KI-Technologien und nutzen Sie diese bereits?
KI-Technologien können – sinnvoll eingesetzt – ein wahrer Segen sein. Man sollte aber, wie auch im autonomen Fahren, sich nicht das Steuer aus der Hand nehmen lassen und ungeprüft KI-generierte Schriftsätze absetzen. Glauben Sie mir, dass ist noch nicht so weit …
Rechtecheck: Viele sprechen von Digitalisierung und Transformation. Inwieweit ist dies im Kanzleialltag umgesetzt? Sind Sie bereits komplett digital aufgestellt? Was sind Ihrer Meinung hierbei die größten Herausforderungen? Haben Sie Tipps an Ihre Marktbegleiter, wie man dies verbessern könnte?
Die Digitalisierung ist bereits überall. Auch im Kanzleialltag. Es ist aber bei weitem nicht alles einfacher geworden. Im Gegenteil – die Verwaltung der Digitalisierung muss erst noch gemeistert werden. Auch da ist noch viel Spielraum.
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