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Einvernehmliche Scheidung: Geht es ohne Anwalt?

Ratgeber

Einvernehmliche Scheidung: Geht es ohne Anwalt?

Wenn eine Beziehung endet, wünschen sich viele Paare eine einvernehmliche Scheidung ohne Anwalt. 10.12.2019

Zusammenfassung:
  • Eine einvernehmliche Scheidung spart Zeit und Kosten.
  • Die Scheidung ohne Anwalt ist maximal für einen Ehepartner möglich.
  • Nur wenn das Trennungsjahr abgelaufen ist und Einigkeit über alle Scheidungsfolgen herrscht, kann eine einvernehmliche Scheidung erfolgen.

Wenn eine Ehe in die Brüche geht, endet die Trennung oft in einem Rosenkrieg, bei dem am Ende nur die Anwälte gewinnen. Viele Paare versuchen es daher stattdessen mit einer einvernehmlichen Scheidung, am liebsten mit einer Scheidung ohne Anwalt. Eine einvernehmliche Scheidung kann dabei nicht nur Zeit und Geld sparen, sondern verhindert auch, dass das Verhältnis der beiden ehemaligen Eheleute auf Dauer vergiftet wird. Insbesondere wenn man gemeinsame Kinder hat, ist das wichtig.

In diesem Artikel erklären wir,

So funktioniert die einvernehmliche Scheidung mit Rechtecheck.

Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?

Vielen Paaren, die sich auseinandergelebt haben, wäre eine Scheidung ohne Anwalt am liebsten. Häufig ist die Rechtslage ohnehin weitgehend klar, teilweise ist alles in einem Ehevertrag geregelt. Eine einvernehmliche Scheidung ohne Anwalt würde so Zeit und unnötige Kosten sparen.

Das Problem dabei ist: Nach deutschem Recht gilt bei Scheidungen Anwaltszwang. Genau gesagt kann die Scheidung nicht ohne Rechtsanwalt eingereicht werden. Will der andere Ehepartner Forderungen oder Anträge im Scheidungsverfahren stellen, braucht er ebenfalls einen Scheidungsanwalt. In diesem Fall spricht man von einer „streitigen Scheidung“.

Die einzige Möglichkeit, wie zumindest einer der Ehepartner die Scheidung ohne Anwalt hinbekommt, ist folgende: Einer der Ehegatten reicht über seinen Anwalt die Scheidung ein und der andere Ehepartner stimmt dieser einfach zu. Sind sich beide Ehegatten einig, dass sie geschieden werden wollen, nicht jedoch über die Scheidungsfolgen, ist auch eine „abgespeckte“ einvernehmliche Scheidung möglich: Die Scheidung an sich wird mit vom Rechtsanwalt des einen Partners eingereicht und der andere stimmt ihr zu. Die „streitigen Folgesachen“ (z.B. Unterhalt, Sorgerecht, Umgangsrecht, Aufteilung von Immobilien, Berechnung des Kindesunterhalts, Versorgungsausgleich) werden anschließend in einem (oder mehreren) weiteren Verfahren entschieden, wobei dann beide Parteien einen eigenen Scheidungsanwalt haben.

Allerdings ist bei dem Scheidungswilligen, der selbst ohne Anwalt dasteht, Vorsicht geboten: Streng genommen vertritt der Anwalt des Antragstellers immer nur „seinen“ Mandanten. Er kann zwar mit dem anderen Ehepartner ein „informatorisches Gespräch“ führen, muss dabei aber immer im Interesse seines Mandanten handeln.

Welche Voraussetzungen hat eine einvernehmliche Scheidung?

Grundvoraussetzung für eine einvernehmliche Scheidung ist, dass das Trennungsjahr abgelaufen ist. Insofern gibt es keinen Unterschied zur streitigen Scheidung. Lediglich bei einer „unzumutbaren Härte“ ist eine Scheidung auch vor Ablauf des Trennungsjahres möglich – in dem Fall ist aber auch eine einvernehmliche Scheidung eher unwahrscheinlich. Während des Trennungsjahres darf laut § 1567 BGB „keine häusliche Gemeinschaft“ bestehen – der Volksmund nennt das „getrennt von Tisch und Bett“.

Außerdem müssen sich die Ehepartner über alle Folgen der Scheidung einig sein, insbesondere über

  • den Zugewinnausgleich (bei Zugewinngemeinschaft),
  • den Unterhalt (Trennungsunterhalt, Nacheheunterhalt),
  • die Kinder (Sorgerecht, Umgangsrecht, Kindesunterhalt),
  • die Aufteilung des Hausrates,
  • die eheliche Wohnung (Auszug, Verkauf, Kündigung, Auflösung) und
  • den Versorgungsausgleich (das ist der Ausgleich von Altersvorsorge- und Rentenansprüchen, die während der Ehe erworben wurden).

Manche Regelungen in der Scheidungsfolgenvereinbarung müssen dabei vor der Scheidung notariell beurkundet werden, z.B. wenn der Versorgungsausgleich ausgeschlossen werden soll.

Was kostet eine einvernehmliche Scheidung?

Die Kosten einer einvernehmlichen Scheidung sind wesentlich niedriger als bei einer streitigen Scheidung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass einer der Ehepartner ohne Anwalt auskommt und so Anwaltskosten spart. Außerdem haben auch die Gerichte mit einer einvernehmlichen Scheidung wesentlich weniger Arbeit. Daher reduzieren einige Gerichte den Verfahrenswert bei einvernehmlichen Scheidungen um 25 %. In manchen Fällen spart man sich durch die einvernehmliche Scheidung auch teure Gutachten, beispielsweise für eine Unternehmensbewertung.

Grundsätzlich hängen auch die Kosten einer einvernehmlichen Scheidung vom Verfahrenswert ab. Dieser wiederum basiert auf dem Einkommen der Ehegatten und dem gemeinsamen Vermögen. Außerdem kommt ein Zuschlag hinzu, wenn ein Versorgungsausgleich stattfinden soll. Hier können Sie die Kosten von einer streitigen und einer einvernehmlichen Scheidung vergleichen:



Eigenes Nettoeinkommen

Nettoeinkommen des Partners

Sonstiges Vermögen

Anzahl gemeinsamer Kinder (unterhaltspflichtig)

Versorgungsausgleich bereits geregelt?

Anzahl Versorgungen

Ihr Ergebnis

Herkömmliche Scheidung*

Smarte Scheidung (einvernehmlich)

Verfahrenswert:

0,00 €

0,00 €


Anwaltskosten:

0,00 €

0,00 €


Gerichtskosten:

0,00 €

0,00 €


Gesamtkosten:

0,00 €

0,00 €


* Die Kosten einer herkömmlichen Scheidung können noch deutlich höher ausfallen, falls sich das Verfahren in die Länge zieht (z.B. weil es zu Streitigkeiten kommt).

Prozesskostenhilfe kann übrigens von Bedürftigen sowohl für die einvernehmliche als auch für die streitige Scheidung beantragt werden. Auch wer kein Geld hat muss sich also nicht auf eine Scheidung ohne Anwalt einlassen.

Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung?

Auch bei der Dauer hat die einvernehmliche Scheidung Vorteile. Die konkrete Dauer hängt immer vom Einzelfall und von der Auslastung der Familiengerichte ab. Die folgenden Erfahrungswerte können aber als Orientierung dienen:

  • Bei Fällen ohne Versorgungsausgleich ist eine einvernehmliche Scheidung unter optimalen Bedingungen schon in 2 bis 3 Monaten möglich.
  • In vielen Fällen wird jedoch ein Versorgungsausgleich nötig. Da die Rentenversicherungsträger aber nicht immer besonders schnell arbeiten und teilweise zunächst Lücken im Versicherungsverlauf geklärt werden müssen, sind 6 bis 12 Monate realistisch.
  • Streitige Scheidungen dauern i.d.R. deutlich länger und ziehen sich teilweise über Jahre hin.

Die angegebenen Zeiträume beziehen sich auf das eigentliche Scheidungsverfahren, also den Zeitraum nach Ablauf des Trennungsjahres.

Ist eine einvernehmliche Scheidung online möglich?

Auf manchen Internetseiten wird eine „Online-Scheidung“ angeboten. Tatsächlich lassen sich die meisten Schritte einer Scheidung online erledigen. Möglich sind z.B. das Hochladen von Dokumenten, Videochats mit dem Anwalt oder die Kommunikation per Email oder WhatsApp. Selbst für die Einreichung der Scheidung ist ein persönliches Erscheinen nicht nötig, man kann also die gesamte „Vorarbeit“ der Scheidung online erledigen.

Zum Gerichtstermin müssen dagegen auch bei einer einvernehmlichen Scheidung beide Parteien persönlich erscheinen.

FAQs zur einvernehmlichen Scheidung

Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?
Der Antrag auf Scheidung kann nur mit Anwalt gestellt werden. Der andere Ehepartner kommt bei einer einvernehmlichen Scheidung ohne Anwalt aus, wenn er den Antrag unverändert annimmt.

Was kostet eine einvernehmliche Scheidung?
Die Kosten hängen vom Fall ab. Allerdings spart die einvernehmliche Scheidung die Kosten für einen Anwalt und die Hälfte der Gerichtskosten.

Ist eine Online-Scheidung möglich?
Die meisten Schritte bei einer Scheidung lassen sich auch online mit dem Anwalt abwickeln. Zum Gerichtstermin muss man aber persönlich erscheinen. Details gibt es hier.

Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung?
Die Dauer einer einvernehmlichen Scheidung hängt von mehreren Faktoren ab. Im Idealfall reichen bereits 2-3 Monate.


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