Geldanlage
  • 16.12.2016
Zusammenfassung:
  • Dem Anleger steht eine Vielzahl verschiedener Geldanlagemöglichkeiten zur Verfügung.
  • Mit Blick auf die prominenten Pleitebeispiele sollte vor einer Geldanlage eine ausführliche Beratung und Aufklärung stattfinden.
  • Ist ein Unternehmen insolvent, kann es für den Anleger zum Totalverlust kommen.

Schneeballsystem: Die größten Geldanlageskandale

Geldanlage
  • Hannes Klostermann
  • 16.12.2016
Zusammenfassung:
  • Dem Anleger steht eine Vielzahl verschiedener Geldanlagemöglichkeiten zur Verfügung.
  • Mit Blick auf die prominenten Pleitebeispiele sollte vor einer Geldanlage eine ausführliche Beratung und Aufklärung stattfinden.
  • Ist ein Unternehmen insolvent, kann es für den Anleger zum Totalverlust kommen.

Anlageskandale: Der Traum vom vielen Geld platzt oft im Schneeballsystem. (Foto: markusspiske/photocase.de)

Geldanlageskandale – Bei einer Geldanlage gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko

Wer sein Geld anlegen will, hat hierfür eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten. Der Anleger kann Aktien oder Fonts kaufen, in Immobilien investieren oder von Zinsprodukten wie dem Sparbuch, Fest- und Tagesgeld oder Anleihen profitieren. Welche Anlagemöglichkeit in Betracht kommt hängt davon ab, wieviel Geld investiert werden soll, wann das Geld wieder benötigt wird und welche Renditechancen sich der Anleger vorstellt. Dabei gilt insbesondere: Je höher die Rendite desto höher auch das Risiko, viel Geld zu verlieren.

Viele berühmte Beispiele haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Anleger durch Investitionen in die falsche Anleihe oder das falsche Unternehmen nicht nur keine Rendite einstreichen, sondern im schlimmsten Fall ihr gesamtes Geld verlieren. In beinahe jedem der großen Geldanlageskandale handelte es sich um ein Schneeballsystem. Im Schneeballsystem macht der Anleger aus seiner Sicht zunächst tatsächlich Gewinne und erkennt so über eine sehr lange Zeit nicht, dass er einem Anlagebetrug zum Opfer gefallen ist. Denn innerhalb eines Schneeballsystems wird der Gewinn des Anlegers mit der Investition neuer Anleger finanziert. Diese Kartenhäuser an Investitionen sind nach etwa fünf Jahren so instabil, dass sie zusammenbrechen. Die Unternehmen gehen in die Insolvenz und die Anleger verlieren meist ihre gesamten Ersparnisse.

Das Problem aus rechtlicher Sicht: Selbst wenn betrügerische Absicht nachgewiesen werden kann, gehen die Anleger oft leer aus. Denn: Wen soll man verklagen: Das Unternehmen ist meist insolvent (und man selbst oft einer der Mit-Inhaber) und die Verantwortlichen haben oft auch nicht (mehr) genug Vermögen. Ein Ausweg kann es dabei sein, wenn Dritte an dem Geschäft beteiligt waren: So können Vermittler und Makler, die ihren Aufklärungspflichten nicht nachgekommen sind, oder Banken, die wider besseres Wissen finanziert haben, teilweise auch verklagt werden.

Schneeballsysteme sind so instabil wie ein Kartenhaus und brechen in der Regel nach spätestens fünf Jahren zusammen. (Foto: Carsten Reisinger/fotolia)
Schneeballsysteme sind so instabil wie ein Kartenhaus und brechen in der Regel nach spätestens fünf Jahren zusammen. (Foto: Carsten Reisinger/fotolia)

Infinus: Anlagebetrug im großen Stil

Aufgrund eines solchen Schneeballsystems haben bei der Dresdener Finanzgruppe Infinus knapp 22.000 Anleger ihr gesamtes Geld verloren. Es entstand ein Schaden von rund 312 Millionen Euro. Dabei soll Infinus mit Orderschuldversprechen und Nachrangdarlehen besonders hohe Renditen versprochen haben. Tatsächlich wurde das investierte Geld durch Infinus eingesetzt, um bestehende und laufende Zinsschulden aus älteren Verpflichtungen zu begleichen.

Im November 2013 wurden sechs Manager der Finanzgruppe festgenommen und Ende 2015 wegen gewerbsmäßigen Betruges in einem besonders schweren Fall und Kapitalanlagebetrug vor dem Strafgericht angeklagt. Das Verfahren zur Pleite Infinus dauert noch an, alleine die Anklageschrift umfasst 757 Seiten.

Anlageskandal S&K: Schaden in dreistelliger Millionenhöhe

Auch Anleger bei S&K-Immobilienfonds haben viel riskiert und am Ende alles verloren. Die Fonds der beiden Unternehmer Jonas Köller und Stephan Schäfer wurden 2010 überall empfohlen, die Produkte enthielten sogar ein TÜV-Siegel. Durch die Empfehlungen und insbesondere die TÜV-Absicherung kam es den Anlegern wie ein Traum vor, sichere Renditen von zehn bis zwölf Prozent einstreichen zu können. Diese Tatsache veranlasste Anleger, ihre gesamten Ersparnisse, teilweise sogar die Altersvorsorge, in S&K-Immobilienfonds zu investieren. Versprochen wurde eine Geldanlage an einem sicheren Ort und in insolvenzsicheren Sachwerten.

Aber auch in diesem Fall haben die Mitarbeiter der S&K-Immobilienfonds das Geld der Anleger keineswegs investiert, sondern an die alten Anleger ausgekehrt. Dabei geht es um einen Schaden in Höhe von rund 240 Millionen Euro und etwa 11.000 geschädigte Anleger. Das Verfahren zur Pleite S&K gegen Köller und Schäfer vor dem Landgericht Frankfurt wegen Untreue und Betruges dauert ebenfalls noch an.

Prokon: Anlageskandal mit Happy End?

Was Prokon für Anleger besonders attraktiv machte, war die Investitionsmöglichkeit in „das Grüne“. Anleger erwarben Genussrechte an dem Windanlagenbetreiber Prokon und konnten revolutionär in „ökologische Anlagen“ oder „Geldanlagen mit Gewissen“ investieren.

Die Geschäfte mit erneuerbaren Energien, insbesondere mit Windenergie, waren allerdings nicht ansatzweise so ertragreich, wie von Prokon angepriesen. Prokon machte im Jahr 2013 mehr als 200 Millionen Euro Verlust. Im Frühjahr 2014 stand darüber hinaus die Zahlungsunfähigkeit und damit die Insolvenz des Unternehmens fest. Allerdings ging die Insolvenz nicht den üblichen Weg der Verwertung aller verbleibenden Vermögensteile auf die Gläubiger. Vielmehr haben sich die Gläubiger mit Prokon auf einen Insolvenzplan geeinigt. Durch diesen verlieren die Gläubiger (nur) 40 Prozent ihrer Anlage. In Höhe von 25 Prozent wandelt sich ihre Anlage in Genossenschaftsanteile an Prokon um und in Höhe von rund 35 Prozent konnten die Anleger Anleihen von Prokon erwerben.

Auch das Unternehmen German Pellets konnte seine versprochenen Zinsen nicht an die Anleger zurückzahlen und musste im Februar 2016 Insolvenz anmelden. Welche Folgen der Insolvenzantrag German Pellets für die Anleger hat, kann bisher aber nicht gesagt werden.

P&R: Jahrelang mehr Miete gezahlt als eingenommen.

Es könnte der größte Anlageskandal der Bundesrepublik sein: Bei den inzwischen insolventen Unternehmen der P&R-Gruppe geht es um etwa 3,5 Mrd. Euro. Die Firma hatte Seefracht-Container an Investoren verkauft und diese dann zurückgemietet. P&R vermietete die Container dann weiter an Unternehmen, die sie zum Transport von Waren benutzten. Was viele Anleger nicht wussten: P&R hat in den letzten Jahren mehr Miete gezahlt als eingenommen. Mehr Informationen auf unserer Seite zu P&R-Containern.

Quelle: Wiwo.de, Handelsblatt.de

Tipps:
  • Lassen Sie sich vor einer Geldanlage ausführlich beraten. Eine gute Geldanlage sollte gemischt Tagesgeld, Festgeld und Aktienfonds umfassen.
  • Überlegen Sie, wann Sie Ihr Geld (teilweise) wieder benötigen. Davon hängt die Anlagevariante ab!
  • Eine extrem hohe Rendite weist auf einen Betrug oder ein Schneeballsystem hin. Gehen Sie darauf nicht ein!

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