Gesundheit
Zusammenfassung:
  • 2019 rief der Hersteller Allergan seine texturierten Brustimplantate zurück.
  • Diese stehen in Verdacht, das Wachstum des Lymphoms BIA-ALCL zu begünstigen. 
  • Zumindest Frankreich verbot daraufhin sogar weiträumig alle Brustimplantate mit rauer Oberfläche. 
  • Betroffene Patienten haben eventuell Anspruch auf Schmerzensgeld und den Ersatz von Zukunftsschäden.

Allergan-Implantate: Schadensersatz und Rückruf wegen Krebs-Risikos

Gesundheit
Zusammenfassung:
  • 2019 rief der Hersteller Allergan seine texturierten Brustimplantate zurück.
  • Diese stehen in Verdacht, das Wachstum des Lymphoms BIA-ALCL zu begünstigen. 
  • Zumindest Frankreich verbot daraufhin sogar weiträumig alle Brustimplantate mit rauer Oberfläche. 
  • Betroffene Patienten haben eventuell Anspruch auf Schmerzensgeld und den Ersatz von Zukunftsschäden.

Im Juli 2019 rief das amerikanische Unternehmen Allergan weltweit seine BIOCELL-Brustimplantate zurück. Die sogenannten rauen oder strukturierten Allergan-Implantate stehen nach einer 2018 veröffentlichen Studie der amerikanischen Food and Drug Administration, kurz FDA, im Verdacht, das Wachstum von ALCL (anaplastisches großzelliges Lymphom) zu begünstigen. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wies damals auf Zusammenhänge mit dieser speziellen Krebs-Art hin.

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Entsteht das Lymphom in Zusammenhang mit einem Brustimplantat (z.B. von Allergan), spricht man vom BIA-ALCL, dem „Brustimplantat-assozierten ALCL“. Diese spezielle Art des Lymphoms ist bisher noch nicht tiefgreifend erforscht, bei einer frühen Diagnose jedoch sehr gut und mit positiver Prognose behandelbar. Patientinnen mit Allergan-Implantaten sollten sich daher regelmäßig untersuchen lassen. Aufgrund einer ausgeprägten Zunahme von Fällen bei Patientinnen mit Brustimplantaten seit 2011 ist der Zusammenhang zwar eindeutig, das Risiko für Betroffene Einzelpersonen laut der Statistik jedoch gering. Bei rund 40 Millionen weltweit verwendeten Implantaten sind derzeit nur wenige Hundert Frauen an BIA-ALCL erkrankt. Je nach Datenlage gehen die Mediziner derzeit von Wahrscheinlichkeiten von 1:3.817 bis hin zu 3:1.000.000 aus.

Welche Implantate sind von dem Rückruf betroffen?

Zu den rückgerufenen Implantaten zählen prinzipiell alle Allergan-Implantate mit einer rauen Oberfläche, insbesondere sind allerdings folgende Modelle betroffen:

  • Natrelle Kochsalz gefüllte Implantate
  • Natrelle Silikon gefüllte Implantate
  • Natrelle Inspira Silikon gefüllte Implantate
  • Natrelle 410 Hochkohesivgel anatomische Silikonimplantate

Allergan-Implantate mit einer glatten Oberfläche stehen laut aktuellem Stand nicht in Verdacht, BIA-ALCL auszulösen. Sollten Sie sich nicht sicher sein, welche Brustimplantate bei Ihnen eingesetzt wurden, nehmen Sie unbedingt Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt auf.

Was Frauen mit Allergan-Implantaten jetzt tun sollten

Suchen Sie auf jeden Fall das Gespräch mit dem behandelnden Arzt, wenn bei Ihnen BIOCELL-Implantate eingesetzt wurden und er sich nicht von selbst bei Ihnen gemeldet hat. Prinzipiell empfehlen weder die FDA noch das BfArM, sich die betroffenen Allergan-Implantate auf Verdacht entfernen zu lassen. Das Risiko bei einer Operation übersteigt derzeit noch das Risiko einer BIA-ALCL-Erkrankung, die vergleichsweise leicht behandelbar ist.

Allerdings treten die meisten Fälle erst 7 bis 8 Jahre nach der Einsetzung des Allergan-Implantats auf. Eine enge Absprache mit dem behandelnden Arzt wird daher empfohlen. Zu den ersten Symptomen zählen Flüssigkeitsansammlungen und chronische Reizzustände in der Brust – auf diese Vorzeichen sollten Sie daher besonders achten. 

Ihre Rechte als Betroffene: Schadensersatz & Schmerzensgeld

Trotz des vergleichsweise geringen Risikos wurden betroffene Frauen durch Allergan-Implantate einer Gefahr ausgesetzt, die zu erneuten operativen Eingriffen, erheblichen Schmerzen, enormen Behandlungsaufwänden und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann. All diese Risiken gehen mit einer erheblichen psychischen Belastung einher.

Als Betroffene haben Sie daher je nach Ausgestaltung des Falls eventuell das Recht auf Schmerzensgeld und selbst ohne Ausbruch der Krankheit das Recht auf Ersatz von Zukunftsschäden im Wert von bis zu 100.000 Euro. Der Anspruch kann sich dabei sowohl gegen den Hersteller Allergan selbst als auch gegen die zuständige Aufsichtsbehörde und sogar den behandelnden Arzt richten, sofern Sie dieser nicht ausreichend über die Risiken einer Brustimplantats-Operation aufgeklärt hat. Ein erfahrener Patientenanwalt kann Sie hier unverbindlich und kostenlos über Ihre Optionen informieren.

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Internationale Lage zu Brustimplantaten

Zwar wurden lediglich Allergan-Implantate mit BIA-ALCL direkt in Verbindung gebracht, Frankreich verbot jedoch im gleichen Atemzug vorsichtshalber auch diverse andere strukturierte Brustimplantate von Arion, Sebbin, Nagor, Eurosilicone und vom deutschen Hersteller Polytech. Bisher handelt es sich dabei zwar um einen Alleingang der französischen Behörden, mit zunehmender Erforschung der Beschwerden im Zusammenhang mit texturierten Implantaten kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die EU nachzieht.

Grund für den Alleingang ist wohl Frankreichs besondere Historie mit Brustimplantaten. 2010 wurde bekannt, dass der französische Hersteller Poly Implant Prothèse, kurz PIP jahrelang Implantate aus billigem Industrie-Silikon verkauft hatte. An die Öffentlichkeit kam das aufgrund der hohen Reißanfälligkeit der Implantante. Im Nachgang machten betroffene Frauen Schadensersatzansprüche gegen das Unternehmen selbst, den TÜV Rheinland und behandelnde Ärzte geltend. Teilweise laufen Verfahren zum PIP-Skandal auch noch im Jahr 2021.

Weil die Haftung auch bei Allergan-Brustimplantaten nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, sollten Sie sich als Betroffene in jedem Fall mit einem erfahrenen Patientenanwalt beraten.

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